Sonntag, 27. November 2011 (22:38 Uhr)

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Die erste Woche – der Weg zum Nichtraucher ist steinig und schwer …


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 29. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Die erste Woche – als Fast-Nichtraucher.

Von Marietta Herzberger

Nur dieses eine Mal ...

Haben auch Sie Angst, aufzuhören? Das Rauchen sein zu lassen und sich keine mehr anzustecken? Finden Sie tausend verschiedene Gründe, weiter zu rauchen? Willkommen im Club der Meister der Selbstlüge.

Ein Beispiel, wie sehr sich der Mensch selbst und mit wachsender Begeisterung in die Tasche lügen kann, ist Karla.

Sie ist eine entfernte Verwandte von mir und schon seit ich sie kenne mal mehr, mal weniger übergewichtig und Raucherin. Sie erzählte mir, dass sie irgendwann mal aufgehört und spontan fünf Kilo zugenommen hatte. Dann fing sie wieder an, um nicht weiter Gewicht aufzubauen. Damals fragte ich sie, ob sie die fünf Kilo wieder abgenommen hätte. Nein, hätte sie nicht. Aber zugenommen habe sie seitdem auch nicht mehr. Deswegen würde sie ja rauchen, um essen zu können.

Sie raucht also, um essen zu können? Um ruhig zu bleiben. Um sich zu konzentrieren. Um-€¦

Wir Menschen sind Meister, wenn es darum geht, uns selbst in die Tasche zu lügen.

Diese Ängste waren immer mein Hemmschuh auf den halbherzigen Wegen zum Nichtrauchen. Ängste, die mich Dinge glauben ließen wie: Ich genieße es. Ich rauche gerne. Es beruhigt mich-€¦

Diese Ängste sind auch heute noch stellenweise bei mir und dicke befreundet mit Zoppo, meinem Rauchelf, der alles versucht, mich wieder an die Giftstängel zu fesseln.

Nur dieses eine Mal …

Sie flüstern mir dann Dinge in mein offenes Ohr wie: “Komm. Wenn du jetzt keine rauchst, dann isst du diesen Schokoriegel. Denke dran: Wenn du diesen Schokoriegel isst, dann wirst du zunehmen! Das ist echter Hunger. Kein Hunger auf Nikotin. Vertreibe ihn, den echten Hunger. Komm, nur ein paar Züge. Du kannst es doch jederzeit wieder lassen. Nur dieses eine Mal.“

Vor einigen Tagen hastete ich durch Termine verschiedenster Art, meine Tochter bekam spontan schulfrei, mein Hund musste zum Tierarzt, mein Auto ging nicht mehr an, es regnete in Strömen, der Akku meines Notebooks gab den Geist auf und meine Kaffeedose war leer. Mein Mann war beruflich unabkömmlich und die Großeltern meines Kindes in Urlaub. Und was tat ich?

Ich lief auf Notstrom. Was tat ich in solchen Situationen sonst noch? Richtig. Runterkommen. Sammeln. Fokussieren. Erst mal Pause machen. Sprich: Eine rauchen. Und ich tat es. Bis zur Hälfte. Dann ging es mir besser. Blöd, war aber so. Warum ging es mir dann besser? Keine Ahnung. Wahrscheinlich das Grundbedürfnis, etwas Vertrautes als Trösterchen zu nutzen, wenn alles um einen herum augenscheinlich im Chaos versinkt. Leider hielt dieses Gefühl: „Mir geht es jetzt besser“ nur so lange an, bis ich die Zigarette ausgedrückt hatte. Dann ärgerte ich mich über mich selbst.

Ich ärgerte mich so sehr, dass ich am Abend auf einem Konzert dem Caipirinha dankbar zusprach und dazu rauchte. So war es gut, so war es schon immer und morgen würde ich das wieder lassen. Der Selbstbetrug ging so weit, dass ich den Abend richtig genoss.

Tröste mich Zigarette, ich hatte einen Scheißtag!

Der fahle Geschmack am nächsten Morgen war ekelhaft. Das Gefühl, versagt zu haben, noch schlimmer. Das Wissen, dass ich diesen Rückschritt niederschreiben sollte, machte meine Laune nicht wirklich besser.

Was habe ich nun davon?
Entzugstechnisch befinde ich mich wahrscheinlich wieder auf Tag Eins. Auf alle Fälle fühlt es sich so an.

Und ich nehme mir vor: Bis auf weiteres werde ich bei Festivitäten eher dem Wasser als dem Alkohol zusprechen.

Der Weg zum Nichtraucher ist steinig und mit vielen persönlichen und ganz individuellen Steinen gepflastert. Manchmal ist man zu müde und die Beine zu lahm, um sie noch über die Steine zu heben. Dann latscht man einfach drauf oder stolpert, statt anzuhalten, kurz Luft zu holen, um Kraft zu sammeln und dann das Bein zu heben. Gehen Sie zurück auf „Los“!

Zurück auf „Los“? Eigentlich nicht. Ich mache dort weiter, wo ich vor dem „Rauch-Ausrutscher“ war. Beim Nichtrauchen.

Im August werde ich in Urlaub gehen und mein Tagebuch nur für mich schreiben. Es wird seit sehr langer Zeit ein rauchfreier Urlaub werden. Darauf freue ich mich. Ich freue mich darauf, ganz entspannt am Flughafen auf den Flug zu warten. Ich werde nicht überlegen müssen, wo ich im Flughafen rauchen kann. Nicht panisch werden müssen, weil ich im Flieger keine rauchen kann. Ich werde die Reise einfach genießen können. Darauf freue ich mich. Ich werde ab Mitte September wieder berichten. Schonungslos ehrlich.

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang schrieb sie täglich, später immer dann, wenn es “was neues” gibt. Jetzt geht sie erst mal in Urlaub und wir sind schon gespannt, was sie uns danach berichten wird.

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Tag Fünf – Miesmacher und Bedenkenträger


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 23. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Tag Fünf – auf Miesmacher und Bedenkenträger kann Marietta gut verzichten.

Von Marietta Herzberger

"Miesmachersprüche möchte ich nicht hören!"

Die vermeintlich gut gemeinten Ratschläge von Ex-Rauchern machen mich wütend. Gelegentlich geben auch Noch-Nie-Raucher, welche Ex-Raucher oder Wieder-Raucher kennen oder gekannt haben, ihren zerschmetternden Senf dazu.

Gestern war ich im Kiosk um die Ecke, um eine TV-Zeitschrift zu holen. Der freundliche Mann hinter dem Tresen legte mir – wie er es gewohnt war – eine Schachtel Zigaretten dazu. Ich lehnte lächelnd ab und meinte stolz: „Danke, nein. Ich rauche nicht mehr.“

„Oh!“, schaute er mich interessiert an und fragte: „Wie lange schon?“

„Fünf Tage“, strahlte ich.

“Das ist doch gar nix.”

„Ach-€¦“, er machte eine wegwerfende Handbewegung, „das ist noch gar nix. Bei mir sind es jetzt sechs Jahre und ich hab’ immer noch Lust auf eine Zigarette.“

Eine Kollegin erzählte mir, dass sie nach einem halben Jahr wieder angefangen hätte. Nur eine Zigarette und schwupps – Raucher.

Eine Freundin kam hinterhältig daher und beneidete mich erst, um sich dann eine anzustecken und mir Rauch ausblasend vorzuschwärmen, dass sie es liebe, zu rauchen. Es wäre so entspannend. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mein Nachbar meinte, das würde bei mir eh’ nix mehr bringen, weil ich viel zu lange geraucht hätte. Sowieso alles kaputt. Alle Mühe vergeblich.

Mein Vater gab mit zu Bedenken, dass ein guter Freund von ihm – Gott habe ihn selig – Jahre nach seiner Rauchfreiheit Lungenkrebs bekommen hätte. Tod. Vom Rauchen. Trotz aufhören.

Miesmachsprüche – “will ich nicht!”

Danke! Was bitte, soll ich mit solchen Informationen anfangen? Ich will das gar nicht hören! So, wie ein überzeugter Raucher keine Nichtraucher-Empfehlungen liest und die Warnhinweise auf der Schachtel ignoriert, so will ich keine Miesmachsprüche hören. Will ich nicht, brauch ich nicht.

Die Aussicht, in sechs Jahren immer noch zu schmachten oder sowieso an den Folgen des Rauchens sterben zu müssen, ist nicht gerade zielführend.

Ich will Positives hören: Längere Lebenserwartung. Mehr Sauerstoff in Muskeln und Organen. Freier im täglichen Ablauf. Mehr Geld zur Verfügung. Bessere Haut, rosige Wangen, weniger fahl.

Und was mir mehr gibt, als andere ist, wenn meine Tochter zu mir sagt: „Mama, du riechst jetzt gut.“

In diesem Sinne

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang vermutlich täglich, so hat sie sich das vorgenommen, später immer dann, wenn es “was neues” gibt.

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Tag Vier: Hammerhart – heute war Zappo kurz vor dem Sieg


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 18. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Tag Vier – “Ersatzfressen gibt es nicht mit mir”, sagt Marietta – oder doch?

Von Marietta Herzberger

Nichts wie raus! Das einzige was hilft gegen die Schmacht.

Was ein Tag! Solche Tage braucht kein Mensch. Schon gar nicht einer, der gerade Nichtraucher werden möchte. An und in allen Ecken lauerte Zappo und grinste hämisch, schürte meine Rauchlust, schürte mein Verlangen nach diesen Drecksröhrchen. Warum erst heute, warum nicht gestern oder am ersten Tag? Weil Zappo nicht doof ist und man sich selbst an schlechten Tagen nur bis zu einem gewissen Grad selbst überlisten kann. Kommen ungünstige Faktoren zusammen, knallt es eben.

Tausendmal passiert nichts an der roten Ampel, welche man schon oft übersehen hat. Bis eines Tages von rechts ein anderes Auto im ungünstigsten Moment den Weg kreuzt, den du auch gerade nimmst. Den kurz nach der roten Ampel.

Nun, heute ist mein Weg mit roten Ampeln gepflastert, von überall her tauchen sich auf mich zu bewegende Hindernisse auf und vom vielen Ausweichen bin ich ganz hibbelig.

Das ist nicht gut. Zumal die eigene Brut genau spürt, wenn Mama gerade eben mal nicht gut drauf ist. Das wird gnadenlos ausgereizt.

Natürlich habe ich Tochter und Mann grundlos und übertrieben angekläfft. Den Hund jagte ich in den Garten, weil er gerade da lag, wo ich gehen wollte. Und überhaupt, warum zieht der Nachbar die Rollläden so laut hoch, dass man denkt, nebenan entgleist gerade ein ICE?

Ich bin gereizt! Aber auf dem richtigen Weg.

Also ab in die Sportschuhe, laufen gehen. Eine Stunde und zwanzig Minuten.

Da hatte es mich wieder, mein ersehntes Erfolgserlebnis. Das Laufen fiel mir leichter. Wieder konnte ich etwas länger laufen. Wieder spürte ich die frische, saubere Luft. Das spornt an und macht Mut und beweist: Ich bin auf dem richtigen Weg.

Zu allem Überfluss jedoch wurden wir kurzfristig eingeladen. Am Nachmittag. Zu netten Leuten. Kleines Kuchenbuffet im Garten, Kaffee, Sekt, Bowle, Bier, achtzig Prozent Raucher.

Also saßen wir im Garten. Ich nahm mir ein Stück Streuselkuchen und streuselte gedankenverloren daran herum. Langsam wollte ich ihn genießen. Sehr langsam. Ungefähr so langsam, wie die Zeitspanne, in der wir dort waren. Streuselchen für Streuselchen wurde das Stückchen weniger. Ganz langsam. Ich bin ja nicht bescheuert. Ersatzfressen. Nicht mit mir!

Den ganzen Nachmittag würde ich an diesem Brösel rumstreuseln. Eine halbe Stunde später lud ich mir Linzer Torte auf und trank vier Tassen Kaffee dazu. Irgendwann gaben die Raucher es auf, auf mich zu warten bis ich mit dem Essen fertig war. Genüsslich rauchten sie, entspannt zogen sie den Rauch tief in ihre Lungen und pusteten ihn langsam, sehr langsam wieder aus. Steckte sich einer eine Zigarette an, machten die anderen mit. Kumpelhaftes Kollektivquarzen. Toll!

Der Versuch, die Raucher erhaben zu beobachten, wie sie sich langsam aber sicher in den Tod qualmten, sich in vollem Bewusstsein das Blut verdickten und die Lungenbläschen einräucherten, scheiterte kläglich. Nichts erschien mir in diesem Moment so erstrebenswert, wie mit diesen netten Leuten zusammen einige nette Zigaretten zu rauchen. Ich fiel über den Nusskuchen her. Die letzten beiden Stücke der Schwarzwälder gehörten mir!

“Ich muss gehen. Sofort.”

Nichtrauchen fühlt sich an wie Hunger. Und nein, ich habe es nicht verwechselt. Ich habe mit Absicht Kuchen bis zum Overload in mich reingestopft. Wenn ich esse, rauche ich nicht. Dann fing es an zu regnen. Wir saßen unter einem Sonnenschirm, der den Regen nur in Teilen abhielt. Langsam, aber sicher wurden wir nass. Das Kuchenbuffet war geplündert. Die Hausherrin erschien mit etwas herrlich Duftendem. Blätterteig mit Schinken gefüllt, mit Käse gefüllt, mit Zwiebeln und Sourcreme, mit -€¦.“Schatz“, hauchte ich kurz vor der Ohnmacht, „ich muss gehen. Sofort.“ Wir gingen. Sofort.

Heute war also kein guter Tag. Ständig quälte mich die Schmacht. Mehrmals war ich kurz davor, mir Zigaretten zu besorgen, mein Kind an die Wand zu nageln, meinen Mann zum Teufel zu jagen, den Hund auszusetzen und mich einfach nur mit einer Stange Zigaretten und drei Litern Kaffee gepflegt zurück zu ziehen, um mir die Birne voll zu quarzen.

Es ist jetzt 20 Uhr am Abend. Ich habe nichts davon getan. Mein Augenstern malt ein nettes Bild für mich, mein geliebter Mann brütet über der Steuererklärung, der Hund schläft selig und ich schreibe. Danach werde ich schlafen gehen. Sehr früh.

Denn: Heute war Zoppo kurz vor seinem Sieg. Aber den Erfolg gönne ich ihm nicht. Nachts sind alle Katzen grau und alle Zoppos harmlos.

Zu guter Letzt: Der Tag hatte etwas Gutes:

- Sportliche Bewegung fühlt sich leichter an!
- Heute hohe Fettverbrennung durch lange Sporteinheit!
- Längere Sporteinheiten seit dem Nichtrauchen kein Problem. Klasse!
- Ich kann tiefer einatmen! Auch bei 10 Std/km. Das ist ein tolles Gefühl!

In diesem Sinne

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang vermutlich täglich, so hat sie sich das vorgenommen, später immer dann, wenn es “was neues” gibt. Die Texte sind einen Tag “versetzt”, weil sie ja erst am Ende des Tages schreiben kann, was sie in ihrem neuen rauchfreien Leben erlebt hat.

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Tag Drei – “und ich bin noch immer dabei!”


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 13. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Tag Drei – der Kaffee schmeckt auch ohne Zigarette.

Von Marietta Herzberger

Heute bin ich sehr müde. Ich glaube, mein Stoffwechsel kapiert gerade, dass er nicht mehr auf Hochtouren laufen muss und schläft sich erst einmal so richtig aus. Allerdings habe ich ihm heute auch einiges abverlangt – nicht nur in den letzten dreißig Jahren.

Tag Drei - "Und ich bin immer noch dabei!"

Zweieinhalb Stunden Sport im AC-Weinheim. Crosstrainer, Radergometer und Gerätetraining. In dieser Zeit verspürte ich nicht den Hauch von Verlangen, meine Lungen mit Rauch zu füllen. Aber eines musste ich feststellen: Mein Handtuch, das ich als Unterlage auf den Geräten nutze oder zum Abwischen des Stirnschweißes, damit mir die Soße nicht in die Augen läuft, roch nicht nach altem Rauch. Es roch NICHT nach RAUCH! Sonst roch es immer danach. Klingt ziemlich eklig, war aber so. Raucherschweiß stinkt nach Rauch. Und nun roch es ganz normal nach nassem Handtuch. Sogar den Geruch des Waschmittels konnte ich wahrnehmen. Keine Spur von altrauchigem Schweiß.

Ich darf gut riechen!

Das war für mich sehr motivierend. Denn: Ich muss nicht mehr stinken – ich darf jetzt gut riechen!

Und noch eine Erfahrung. Eine wichtige Erfahrung. Liebe Noch-Raucher: Es ist möglich, den Kaffee auch ohne Zigarette zu genießen. Ich habe das heute mehrfach getan. Insbesondere heute morgen auf der Terrasse. Der Kaffee schmeckte und ich habe den Rauch nicht vermisst. So, wie ich als Raucher das Gefühl mochte, wenn der Rauch die Lungen füllte, so mag ich jetzt das Gefühl, wenn ich an der Kaffeetasse nippe und der warme Kaffee langsam die Kehle hinunter rinnt.

Es ist lediglich eine Fehlkonditionierung, deren Verbindung recht schnell gekappt werden kann.

Meine jahrelange Fehlkonditionierung war: Ich rauche gerne. Auch und vor allem, weil die Zigarette zum Kaffee besonders gut schmeckt. Kaffee und Zigarette gehören zusammen.

Doch Fakt ist: Ich trinke Kaffee zur Zigarette, weil der Kaffee den Scheißgeschmack der Zigarette übertüncht. Wenn ich das kapiert habe, dann schmeckt der Kaffee so ganz allein für sich hervorragend.

Dennoch – es ist Tag Drei. Nicht Tag Dreihundert. Ich habe die Schmacht immer noch. Immer mal wieder. Aber nur für kurze Zeit. Heute Nachmittag war ich kurz davor, mir eine Schachtel zu besorgen. Nur EINE rauchen, nur EINMAL ziehen! Ich suchte verzweifelt irgendwelche Gründe, um mich von meiner Familie mal kurz zu verabschieden, um mir Zigaretten zu kaufen. Lediglich der Zeitdruck – wir mussten zu einem gemeinsamen Termin – hielt mich davon ab, es tatsächlich zu tun. Ernsthaft. Was mir vorkam, wie eine Ewigkeit, dauerte tatsächlich nur rund 5 Minuten, also eine Zigarettenlänge. Dann war es überstanden.

Die Zigarette ist mein „Blauer Elefant“. Versuchen Sie, nicht an einen „Blauen Elefanten“ zu denken.

Alles klar?

Bis dann …

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang vermutlich täglich, so hat sie sich das vorgenommen, später immer dann, wenn es “was neues” gibt. Die Texte sind einen Tag “versetzt”, weil sie ja erst am Ende des Tages schreiben kann, was sie in ihrem neuen rauchfreien Leben erlebt hat.

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“Einfach ausgedrückt”: Tag Eins – der Kampf gegen Zoppo Trump


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Was machen die Hände, wenn kein Glimmstengel mehr da ist?

Guten Tag!

Weinheim, 09.Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Tag Eins.

Von Marietta Herzberger

Als heute morgen mein Wecker klingelte, war mein erster Gedanke: Heute geht es los! Heute ist der erste Tag ohne Zigarette. Sofort meldete sich mein persönlicher Schweinehund – ich nenne ihn Zoppo Trump – und gab zu bedenken: Der erste Kaffee ohne die geliebte Zigarette schmeckt nicht!

Ich ignorierte ihn tapfer. Nach nur einem Augenblick war er weg. Huch? Das war jetzt aber einfach. Kann so weitergehen, dachte ich mir.

Wer Zoppo Trump nicht kennt: Zoppo war der kleine, miese, fiese, unsympathische Widersacher vom “Kleinen König Kalle Wirsch” aus der Augsburger Puppenkiste.

Ich finde, das passt ganz gut. Auch ich kämpfe nun täglich gegen meinen kleinen, miesen, fiesen, unsympathischen Rauchelf, der mir hinterlistigste Fallen stellt.

Im Auto ließ ich wie gewohnt die Fensterscheibe hinunter, so wie ich es immer machte, um mir dann eine anzünden zu können. Nur heute zündete ich keine an. Zoppo flog kurz durch meinen Kopf.

Das war gestern. Die Kippe im Mund.

Erstmals registrierte ich, dass der Wagen leicht nach Rauch müffelte. Nach kaltem Rauch. Nicht, dass ich dieses Geruch bislang noch nie wahr genommen hätte – doch gestern überlagerte ich den Geruch des alten Rauches mit frischem Rauch. Wobei wir “frischen Rauch” genau dort einordnen können, wo sich die “geraden Kreise” befinden.

Buschfunk im Raucherzimmer

Bald war das erste Drittel des Vormittags geschafft. Meine Kollegin war ohne mich “eine rauchen”. Ich schaute ihr wehmütig hinterher. “Still im Aug-´ erglänzt die Träne …”.

Wen wird sie treffen? Mit wem wird sie sich unterhalten? Man darf diesen Buschfunk im Raucherzimmer nicht unterschätzen! Wertvolle Informationen werden “mal eben schnell” ausgetauscht.

Fast könnte man sagen, die wirklich wichtigen Dinge werden im Raucherzimmer entschieden. Man kennt sich, man mag sich, denn – man hat etwas gemeinsam. Die Sucht. Sie verbindet, sie schweißt zusammen, sie signalisiert: Du und ich – wir sind vom selben Schlag.

Das macht den Informationsfluss flüssiger, die kurze Zeit im ungemütlichen, stinkenden Raucherzimmer mit stets übervollen Aschenbechern und vergilbten Wänden erträglicher. Und es entwickelt sich eine eigene Routine.

Was spielt sich im Kopf ab? Ist es nur Wille? Sinds die Botenstoffe?

Seltsamerweise sind die Abstände zur Nikotinauffüllung fast annähernd die gleichen. Das ist schön. So trifft man sich immer wieder zu festen Zeiten. Es hat so etwas Verlässliches. Das freut Zoppo und er meint triumphierend: Rauchen macht glücklich, denn rauchen bedient das Belohnungszentrum im Gehirn und lässt Botenstoffe wie Dopamine, Noradrenaline, Serotonine und Endorphine wasserfallartig deinen Körper – und durch Überwindung der Blutschranke – auch dein Gehirn in Beschlag nehmen.

“Halt-´s Maul, Zoppo!”

Endorphine und Serotonine schütte ich beim Sport heute Mittag aus. Die gut 150 bis 200 Kalorien, welche mir der, durch den Nikotinentzug verlangsamte, Stoffwechsel täglich oben drauf gibt, verbrauche ich locker, wenn ich ungefähr 15 Minuten länger laufe, als ich es normalerweise tun würde. Damit lässt sich leben. Und die Endorphin-Gratis-Portion gibt es obendrauf. Weitere Serotonine hole ich mir über Kiwis, Bananen, Ananas, Tomaten, ein wenig Schokolade, Walnüsse, Kakao. Alles lecker und gesund.

Das Dopamin ist laut IFG (Institut für Gesundheitsökonomik) München ein Verführer, bei dessen Anblick sich die Damen wahnsinnig gut fühlen. Mister “Dop” löst Wollen aus, freudige Erwartungen, Begehren. Er gibt uns Antrieb und Erregung und erhält diese Zustände aufrecht. Ohne ausreichend Dopamin sind wir träge, lustlos und schlecht drauf. Aber Milch, Eier, Kartoffeln, Reis, Käse, Nüsse und Bier sollen da ein wenig Abhilfe schaffen können.

Zoppo sitzt vor mir auf der Tastatur

Puh, der Gedanke an eine Zigarette – vielmehr an die Inhalation von Rauch – kommt jetzt öfter hoch. Zoppo sitzt vor mir auf der Tastatur, hat die Arme verschränkt und meint lächelt wissend: “Na komm, du willst es doch auch!” Meint er. “Nö, will ich nicht!”, denke ich, wische ihn mit einer Handbewegung zur Seite und stecke mir ein Stück Ananas in den Mund. Natürlich muss ein Ersatz her! Ananas ist besser als Schokolade. Zudem ist der halbe Vormittag rum und ein Liter Wasser ist schon getrunken. Ananas und Wasser. Das ist verdammt gesund.

Mein erster Tag neigt sich dem Ende entgegen. Ich bin müde, obwohl es erst kurz vor zwanzig Uhr ist. Das könnte daran liegen, dass ich heute die kleinen Zigarettenpausen mit Kaffee auf der Terrasse ausgelassen habe.

Mindestens drei davon fehlen mir. Drei Pausen mit der Tasse in der einen, der Zigarette in der anderen Hand. Hier nippen, da ziehen und dabei in die Ferne schauen. Entspannen. Den “Geist fließen lassen”.

Das hat mir heute gefehlt. Also bin ich jetzt müde, weil mir “diese Entspannung” fehlt. Ob dabei dann eine Zigarette die Rolle gespielt hätte, wage ich anzuzweifeln. Morgen werde ich es ausprobieren.

Ganz oft streifte mich heute ein Gefühl, welches ich mit „Ich könnte jetzt eine rauchen“, umschreiben würde. Immer in bekannten Situationen. Ignorieren hilft. An etwas anderes denken, etwas anderes tun hilft. Einmal packte mich heute der Yeeper, die Schmacht, das Verlangen.

Das erste Jammertal war durchschritten!

„Ich MUSS jetzt eine rauchen. SOFORT!“ Das war heute Nachmittag. Ich verkaufte brav den Kuchen in der Schule meiner Tochter. Es war laut, es war voll, es war schwül. Ich war umgeben von köstlichstem Kuchen, Torten, Muffins, Brownies. Und ich hatte Hunger!

Es war Zeit, eine zu rauchen. Ging nur nicht so ohne Zigaretten, ohne Feuerzeug. Kurze innerliche Hitzewallung, kurzes Erzittern. Nur weg mit den Gedanken. Wohin? Sie möchten noch ein Stück Kuchen? Marmor? Bitte sehr. Einen Euro. Danke. Puh, das erste Jammertal war durchschritten. Der Yeeper weg und Zoppo sauer. Recht so.

Gestern war das recht so - heute fehlt was? Oder hat Marietta etwas verloren und dadurch gewonnen?

Wissen Sie was? Für heute ist es Zeit für mich, mir selbst auf die Schulter zu klopfen.

Direkt nach dem Büro bin ich in meine Joggingklamotten gesprungen. Brustgurt um, Pulsuhr an, Hund geschnappt und los. Eine Stunde trabte ich in dieser schwülen Hitze locker vor mich hin. Ich bildete mir ein, es schon zu spüren, das rauchfreie Leben.

Der Atem floss irgendwie leichter und der Puls war definitiv einige Schläge niedriger als sonst. Zwar lief ich nicht schneller, jedoch leichter. Die ersten zwanzig Minuten packte mich eine enorme Euphorie und gab mir das Gefühl, stundenlang weiterlaufen zu können. Die Hitze regulierte das dann ab Minute Fünfundzwanzig. Trotzdem: Es lief sich leichter! Ja, Zoppo, grins Du nur und zweifle. Das ist mir egal.

Und irgendwie bin ich überrascht. Schon oft ich den Absprung versucht. Oft bin ich bereits in den ersten zwei bis drei Stunden umgefallen. Heute nicht. Warum nicht? Was ist anders? Vielleicht will ich es dieses Mal wirklich.

Wann spürt man vorher, ob bei diesem Versuch nun der Wille ausreicht? Gar nicht, denke ich. Einfach machen. Der erste Tag wird es zeigen.

Heute war mein erster Tag. Ich bin hundemüde und irre stolz auf mich! Das ist ein gutes Gefühl. Probieren Sie es aus. Es ist besser, als das Gefühl während der Zigarette. Viel besser.

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang vermutlich täglich, so hat sie sich das vorgenommen, später immer dann, wenn es “was neues” gibt. Die Texte sind einen Tag “versetzt”, weil sie ja erst am Ende des Tages schreiben kann, was sie in ihrem neuen rauchfreien Leben erlebt hat.

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“Einfach ausgedrückt” – Marietta hört auf


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Braucht eine gut aussehende Frau ein Kippe, um "cool" zu sein? Das Leben zu genießen? Marietta sagt: Nein. Nach 30 Jahren Raucherei. Wird sie es schaffen?

Guten Tag!

Weinheim, 07. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten zu beginnen. Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden Sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: Einfach ausdrücken.

Von Marietta Herzberger

Ich bin Mitte Vierzig, sportlich, nicht wirklich übergewichtig, arbeitende Mutter, Ehefrau, Hundebesitzerin, Kolumnistin. Und Raucherin. Seit gut 30 Jahren.

Ich habe sehr früh begonnen, rauche seitdem, hüstel, 20 bis 30 Zigaretten am Tag. In Gesellschaft auch mehr. Beim Wein sowieso.

Während der Schwangerschaft und einmal wegen des Sports habe ich gut drei Jahre nicht geraucht. Heimlich habe ich schon oft aufgehört und doch weitergeraucht.

Warum will ich ausgerechnet morgen das Rauchen sein lassen? Warum nicht an einem bedeutungsvollen Tag? Zum Beispiel am Tag meiner Geburt, dem Geburtstag meiner Tochter, Hochzeitstag, Namenstag oder an dem Tag, wo mein geliebtes Kind sich in eine einwöchige Ferienfreizeit verabschiedet.

Warum miete ich mich nicht mutterseelenallein in eine Finca ein, schreibe wie eine Blöde, springe ab und an in einen Pool und rauche dabei NICHT?

Langes Elend ohne die richtige Zeit

Weil es für mich persönlich nicht der Weg sein kann, ein Ziel in der Zukunft zu suchen und mich dann langsam darauf vorzubereiten. Das verlängert das Elend nur noch. Da ist dann nix mit Vorfreude, sondern nur mit Vorpanik.

Und: Weil es keine „richtige Zeit“ , nicht den „richtigen Tag“ zum Aufhören gibt. Es gibt nur das Aufhören – egal wann. Am besten sofort. Ohne großes Gedöns. Schnappzack. Weg mit. Aufhören. Und gut ist.

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Letzte Züge: Marietta liebt die Spaziergänge mit ihrem Hund. Aber sie "liebt" auch die Zigaretten. Auch in der Natur. Warum nur?

So, nun fixiere ich hier schriftlich vor aller Welt meinen Willen. Und mache Nägeln mit Köpfen.

Ab morgen höre ich auf. Punkt.

Dabei höre ich gar nicht auf zu rauchen. Ich fange einfach nicht wieder an. Dafür rauche ich heute noch mal was das Zeug hält. Jetzt auch. Moment – ich stecke mir gerade eine an. Glas Rotwein dazu. Lecker.

Irgendwann gehört die Zigarette dazu. Zu allem.

Lecker? Ja, der Rotwein. Die Zigarette nicht. War noch nie so. Aber sie gehört dazu. Für mich. Zum Rotwein.

Heute noch.

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Noch macht Marietta Faxen - Raucher können nie genug kriegen. Ist das Aufhören einfacher, als man denkt oder knallhart?

Auch zum Kaffee. Nach dem Essen. In der Pause zwischen Fenster putzen und Boden wischen. Beim Autofahren am offenen Fenster. Am Computer. Beim konzentrieren. Nach dem Kino.

Morgen nicht mehr.

Und wo soll ich ab morgen mit meinen Händen hin? Ersatzbeschäftigung suchen. Bierdeckel und Post-It-´s zerpflücken, in der Nase bohren. Letzteres kommt allerdings in Gesellschaft nicht so gut und scheidet daher aus.

Hypnose? Vielleicht hilft es.

Na ja, ich gebe zu, so ganz ohne Unterstützung traue ich mich nicht. Eines möchte ich versuchen. Hypnose.

Lachen Sie nicht!

Diese Hypnotiseure sollen sich da irgendwie einen Weg in dein Unterbewusstsein graben können, legen dann dort einen Schalter um und – schwupps – magst du keine Zigaretten mehr. Vereinfacht ausgedrückt.

Ich bin sehr skeptisch, möchte es aber dennoch einmal ausprobieren. Wer weiß. Erdbeeren mit schwarzem Pfeffer sollen ja auch ganz gut schmecken.

Vergangene Woche hatte ich ein Gespräch mit einem Mentaltrainer. Am nächsten Montag, den 11. Juli 2011, werde ich für schweineteueres Geld bei ihm eine Hypnosesitzung haben.

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Die Zigarette - so lange gehörte sie dazu.

Er meinte, dass ich weiterhin rauchen kann, mir aber zwischendurch immer mal wieder eine Situation ohne Zigarette vorstellen und auch mal leben solle, in welcher ich mich sonst mit Zigarette befinde. Habe das vier-, fünfmal praktiziert und muss sagen, die Vorstellung gefiel mir.

“Eine rauchen”

Dann zündete ich mir eine an. Man muss es ja nicht gleich übertreiben.

Da ich 24 Stunden vor der Hypnose sowieso keine rauchen darf, kann ich eigentlich auch ab morgen keine mehr rauchen. Ich muss sowieso in die Schule meines Kindes und drei Stunden Kuchen verkaufen. Davor bin ich im Büro und zwischendrin gehe ich mit meinem Hund joggen. Das spielt sich sowieso alles ohne Glimmstengel ab.

Manchmal kommt dann eins zum anderen. Heute Morgen erzählte ein Kollege, dass es unglaublich hart für ihn wäre, seinen Vater im Krankenhaus zu besuchen. Dieser wäre erst 64 und habe COPD. Vom Rauchen. “Chronic Obstructive Pulmonary Disease” – Chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Schauder.

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Wer ist mächtiger? Die Frau...

Er schilderte den Verfall seines Vaters sehr plastisch, sehr erschreckend, dramatisch erschütternd. Kurz danach ging meine Kollegin „eine rauchen“. Ich wollte nicht mit, so sehr steckte mir die COPD-Story in den Knochen.

Dabei habe ich vor einem Jahr meine Lunge überprüfen lassen. Röntgen und Lungenfunktionstest. Die Zeit nach der Untersuchung im Wartezimmer war die Hölle. Um mich herum hustende, gräulich gefärbte Gesichter und die Frage: Hat der Mann dort drüben, der so hoffnungslos vor sich hin starrt Lungenkrebs? Habe auch ich Lungenkrebs? Was, wenn die Diagnose „Lungenkrebs“ lautet?

Meine Hände waren feucht, mein Puls erhöht und ich hatte das Gefühl, die Leichenstarre lag schon vor mir auf der Lauer. Ehrlich? Ein absolutes Scheißgefühl.

Dann die Diagnose: Alles in bester Ordnung. Lungenvolumen sogar überdurchschnittlich. Sport und gute Gene. Ein paar mahnende Worte vom Arzt und der Entschluss, nicht mehr zu rauchen begleiteten mich bis ans Auto.

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...oder die Zigarette?

Dann zündete ich mir eine Zigarette an. Vor Erleichterung.

Bin ich eigentlich total bescheuert? Ich mache Sport – schon immer. Und rauche – schon immer?

Zwischendurch habe ich mal nicht geraucht. Habe wegen des Sports aufgehört, um nach drei Jahren wieder anzufangen. In der Schwangerschaft habe ich nicht geraucht, um nach der Stillzeit wieder anzufangen.

Noch bescheuerter! 30 Jahre! Mein Gott!

Ich stelle mir jetzt einfach nicht die Frage, ob bei mir noch was zu retten ist, oder das leichte Stechen auf dem linken Rippenbogen von der Wirbelsäule kommt.

Ich werde keinen Nichtraucherkalender führen oder das gesparte Geld in eine Rauchsau werfen. Ich werde das Rauchen ab morgen nicht mehr zum Thema machen, außer hier im Blog.

Soweit der Vorsatz. Die Zigarette sollte kein Thema sein, nicht einmal ein unwichtiges.

Denn es gibt wichtigeres im Leben. Ich mag mich mit diesem Stinkezeugs nicht mehr befassen müssen.

Ha! – “Müssen” – Falle!

Ich muss gar nix! Ich will es einfach nicht mehr.

Wenn ab morgen die Zigarette in mein Hirn will und meine Lunge nach dem Gift lechzt, werde ich “Halts Maul und zieh Leine!” schreien. Egal, wo ich bin und wer das hört. Einfach ausgedrückt: Ich mache mich lieber unmöglich, als dass ich mir wieder schnell “eine anstecke”.

Drückt mir Daumen!

Eure Marietta

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Zugeparkte Straßen: „Wenn es hier mal brennt, sind wir machtlos.“


Weinheim/Rhein-Neckar, 16. April 2011. (red/pm) Der Weinheimer Oberbürgermeister Heiner Bernhard hat als Chef der Feuerwehr den Selbstversuch gemacht: Zwei Stunden lang kurvte er am Steuer des feuerroten Löschmobils durch die Stadt. Das Ergebnis: In vielen Straßen war kein Durchkommen, weil die “Gasse” durch parkende Autos zu eng war. Im Notfall kann das Menschenleben kosten. Das Problem haben Feuerwehren und Hilfskräfte überall – nicht nur in Weinheim.

Von Roland Kern

Der Mann am Steuer schwitzt. Er rangiert noch einmal, versucht, den Wagen ganz gerade an den Engpass zu steuern. Er kurbelt und schaltet, es muss schnell gehen. Noch einmal zurück, neuer Versuch. Dann gibt es er auf. Er kommt hier nicht durch. Aber dann fängt das Malheur erst an. Die Straße hat keine Wendemöglichkeit, langsam tastet sich das Feuerwehrauto wieder rückwärts aus der Straße heraus, um den Einsatzort von der anderen Seite anzusteuern.

Das war diesmal nur ein Probe-Einsatz und der Mann am Steuer des Feuerwehrautos war kein echter Feuerwehrmann sondern Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard, der selbst erfahren wollte, was seinen Feuerwehrleuten Kummer bereitet. Aber im Ernstfall gefährden zuparkte Straßen und damit versperrte Rettungswege sogar Menschenleben. „Solche Parkzustände“, erklärt Feuerwehrkommandant Reinhold Albrecht, „sind leider keine Ausnahme, sondern eher die Regel“.

Selbstversuch: Weinheims OB Bernhard ist verzweifelt - hier ist kein Durchkommen für Rettungsfahrzeuge. Foto: Stadt Weinheim

Zwei Stunden lang kurvte OB Bernhard am Steuer des feuerroten Löschmobils durch die Stadt. Es gab zahlreiche Engstellen,
durch die er sich langsam durchtasten musste – was im Ernstfall wichtige Sekunden ausmacht. Und es gab Stellen, da passte definitiv kein Feuerwehrauto durch. Die Feuerwehr wollte damit möglichst öffentlich auf das Dilemma aufmerksam machen. „Wer beim Parken nicht auf das Freihalten von Rettungswegen achtet“, sagt Stadtbrandmeister Albrecht, „der handelt verantwortungslos“.

In der Saarbrücker Straße, wo zwei Fahrzeuge direkt gegenüber parkten, gab es zum ersten Mal kein Durchkommen mehr. Mit Rangier- und Wendemanöver beträgt die Verzögerung gleich mal fünf Minuten. „Die können entscheidend sein“, weiß jetzt auch Heiner Bernhard selbst ganz genau.

Kurios dabei: Oft sind es die Anwohner selbst, die ihre Straßen blockieren und sich im Brandfall selbst am meisten schaden würden. „Ich kann das einfach nicht verstehen“, schüttelt Stadtkommandant Patrick Müller den Kopf, als der Kamerad OB an der Einfahrt in der Kurzen Straße scheitert – es gibt kein Durchkommen. „Wenn es hier mal brennt, sind wir machtlos.“

Anmerkung der Redaktion:
Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim.

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Tiere, Titten, Tote: Was von der Tierschutzorganisation “PETA” zu halten ist


Ladenburg/Rhein-Neckar, 08. April 2011. (red) Die “Tierschutzorganisation PETA” setzt sich gegen Tierquälerei ein. Und wählt dafür radikale Methoden und Medienkampagnen. Die Organisation ist mächtig, denn sie appelliert ans Mitgefühl der Menschen. Aber sie ist auch stark in der Kritik. Denn im Gegensatz zu anderen Tierschutzorganisationen gibt es weder Pflege- noch Vermittlungseinrichtungen bei Peta. Im Gegenteil: In Amerika soll die Organisation rund 14.000 Hunde eingeschläfert haben – angeblich, um Kosten zu sparen.

Von Hardy Prothmann

Keine Frage: Jeder “normale” Mensch ist gegen das Quälen von Tieren. Dafür setzt sich angeblich Peta ein, eine amerikanische Tierschutzorganisation. In Ladenburg hat die Organisation aktuell durch einen Bericht im Mannheimer Morgen auf sich aufmerksam gemacht: 500 Euro wurde als Belohnung “zur Ergreifung eines mutmaßlichen Kaninchenmörders” ausgesetzt.

Tiere – Titten – Tote

Peta verfolgt eine Medienstrategie, die gut funktioniert und bei der Bild-Zeitung beispielsweise TTT heißt: Tiere, Titten, Tote. Themen mit einem “T” “gehen immer” und sorgen für Aufmerksamkeit.

Peta steht für “People for the Ethical Treatment of Animals”, also “Menschen für das ethische Behandeln von Tieren”. Das hört sich zunächst gut an. Aber ist Peta deshalb eine Organisation, die man unterstützen sollte?

Wer sich näher mit Peta beschäftigt, dem fällt die Radikalität der Organisation auf. Wer zum Beispiel das Essen von Fleisch als vollkommen normal hält, der wird mit Peta nicht glücklich werden, egal, ob er gegen Tierquälerei ist oder nicht. Peta lehnt das ab und wirbt offen für Vegetarismus oder ein “Veganer”-Leben ( hier auf der englisch-sprachigen Seite “Jesusveg.com” ). Auch jegliche Lederwaren sind tabu – denn sie stammen von Tieren.

Wer Wurst oder Fleisch isst, der ist nach Auffassung von Peta ein Mittäter und mitschuldig am "Massenmord". Quelle: Peta

Peta bezeichnet beispielsweise das Essen von Tieren und die dafür notwendige Massentierhaltung als “Mechanisierten Massenmord”. Peta geht noch weiter und vergleicht das Schlachten von Tieren mit dem Holocaust ( taz: “Der Jude, das Grillhähnchen ). Der Zentralrat der Juden in Deutschlang zeigte sich entsetzt und ging gerichtlich gegen die im Jahr 2004 gestartete Kampagne “Der Holocaust auf deinem Teller” vor. Die Klage ging bis vor das Bundesverfassungsgericht, das Peta die Kampagne untersagte .

“Nackte Wahrheiten”

Und Peta setzt für seine Kampagnen gerne “Prominente” ein. Aktuell läuft in Deutschland eine Kampagne mit Daniela Katzenberger , die “sexy und leichtbekleidet” angeblich sagt: “Manchmal kann zuviel Sex schlecht sein”. Peta organisiert Nudistenläufe oder zeigt leichtbegleidete Frauen als “ Lettuce-Ladies “, als “Salat-Damen”.

Ob leichtbekleidete Damen noch “schocken”, darf bezweifelt werden. Für’s richtig schlechte Gewissen hat Peta andere Informationen und prangert – zu Recht – grausame Szenen an:

“In einer Undercover-Videoaufnahme , die PETA gemeinsam mit dem Journalisten Manfred Karremann in China machte, zeigt sich unermeßliches Grauen: Die Tiere fristen bei allen Witterungsextremen ihr Dasein in winzigen Drahtkäfigen. Bevor man sie häutet, schlagen Arbeiter mit Metallstangen auf sie ein und schmettern sie auf den Boden. Sie brechen ihnen so die Knochen, wobei sie häufig nicht getötet werden. Viele Tiere sind noch am Leben und bei vollem Bewußtsein, wenn man ihnen das Fell abzieht.”

Solche “Geschichten” gehen ans Herz und öffnen das Portemonnaie für Spendenzahlungen. Und die laufen gut – die Medienpräsenz von Peta ist enorm. Ganz klar: “Sex sells” und eine Daniela “Katzenberger” als Imagefigur für “Katzenkastration” – das hat was. Oder? Peta “informiert”:

“Hintergrund dieses Motivs: So gut wie alle deutschen Tierheime sind überfüllt, viele verhängen Aufnahmestopps, weil sie keine weiteren Tiere mehr aufnehmen können. Die Population verwilderter und heimatloser Katzen in und um die meisten deutschen Städte und Dörfer ist enorm und wird täglich größer. Die verwilderten Nachkommen stammen alle von Katzen ab, die ursprünglich mehr oder weniger behütet in Menschenfamilien lebten, jedoch nicht kastriert wurden. Heimatlos geworden, führen sie ein Leben voller Leid und Entbehrungen, da sie nicht für ein solches Leben gerüstet sind: Hunger, Krankheit und ein früher Tod sind keine Seltenheit.”

Peta tötet selbst Tiere

Worüber Peta an dieser Stelle nicht informiert: Peta selbst tut aktiv nichts für Tiere. Peta unterhält keine Tierheime. Dafür tötet Peta Tiere und zwar umfangreich , wie bei Wikipedia nachzulesen ist:

“PETA unterstützt aktive Sterbehilfe an Tieren, wenn keine Lebensbedingungen hergestellt werden können, die nach PETA-Richtlinien artgerecht sind. Die dabei geltenden Richtlinien vermenschlichen die Tiere und setzen voraus, dass es für die Tiere besser sei, tot zu sein, statt unter schlechten Bedingungen zu leben. In der Öffentlichkeit wird diese Praxis als Doppelmoral der Organisation gegeißelt, da die Organisation definiert, wann es den Tieren schlecht geht. So konnten zum Beispiel in den USA viele durch Aktionen von PETA befreite Tiere nicht vermittelt oder versorgt werden, weshalb man beschloss, sie einzuschläfern. Als Anthropomorphisierung wird dabei der Analogieschluss von Tier und Mensch verstanden, der beide gleichsetzt und impliziert, dass Wahrnehmung und individuelle Lebenswelten von Tier und Mensch identisch wären.

Im März 2010 wurde bekannt, dass PETA im Jahre 2009 97 % der Tiere in ihrem eigenen Tierheim in Virginia einschläfern ließ. Andere Tierheime im gleichen Bundesstaat schläferten hingegen nur etwas mehr als die Hälfte der Tiere ein.”

Peta hält also für sich die Deutungshoheit, was “artgerecht” ist und was nicht. Was erlaubt ist und was nicht. Was “richtig” ist und was nicht.

Tiere, Titten, Tote - Hauptsache Aufmerksamkeit. Quelle: Peta

Aktuell hat Peta eine Belohnung von 1.000 Euro für “Schlangenmörder” ausgesetzt und argumentiert “merkwürdig”. Einerseits kann man Wildtiere “niemals artgerecht” halten, andererseits empfiehlt die Organisation den Gang zum Tierheim:

“Wildtiere können in Gefangenschaft niemals artgerecht gehalten werden. Wer sich wirklich gut auskennt und sich über den enormen Zeit- und Geldaufwand der Haltung bewusst ist, sollte ein Tierheim besuchen. Hier warten immer mehr Exoten auf ein neues Zuhause.”

Obwohl sie dort “niemals artgerecht” gehalten werden können?

Kampagnen wollen finanziert sein

Nach Aussage der hauptberuflichen Kampagnenleiterin Nadja Kutscher “bringt das Ausloben von Belohnungen viele Hinweise”: “Meist wollen die Hinweisgeber aber gar nicht das Geld.”

Peta bietet es trotzdem an – das sorgt für Aufmerksamkeit. Und zeigt, dass Peta bereit ist, viel Geld zu bezahlen, um “den Tätern auf die Spur zu kommen” – dafür braucht Peta Geld – Spendengeld.

Ersatzreligion?

Kritiker beschreiben die von der Amerikanin Ingrid Newkirk 1980 gegründete Organisation als “kultartig” und kritisieren den autoritären Führungsstil und eine immer radikalere Ausrichtung der Organisation. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung schrieb 2009 auf einer Themenseite über “Terror im Namen der Tiere”.

(Anmerkung der Redaktion: Uns wurde unter Androhung von rechtlichen Mitteln und einem Streitwert von 10.000 Euro die Verwendung des ursprünglich gesetzten Links auf “Terror im Namen der Tiere” untersagt. Wir sollen dazu eine Unterlassungserklärung unterzeichnen, was wir nicht tun, da wir nur einen Link auf eine allgemein im Internet zugängliche Seite gesetzt haben und keine Kenntnis hatten, dass hier ein gerichtliches Verfahren anhängig war oder ist. Wir haben den Link nach Kenntnis der Aufforderung entfernt, da wir uns den Inhalt nicht zu eigen machen, sondern journalistisch korrekt auf eine allgemein zugängliche Quelle verwiesen haben.)

Echte Mörder werden mit Tierquälerei in Verbindung gebracht. Der “logische” Schluss: Wer Tiere “Schaden” zufügt, wird zum Mörder.

Sicher ist es grundsätzlich richtig, über nicht-artgerechte Haltung von Tieren oder sogar brutale Methoden wie in China zu berichten und solche Zustände anzuprangern.

Im Zusammenhang mit “religiösen Anspielungen”, einem radikalen Wertekanon und “Idealbildern” von Menschen ergibt sich aber ein krude Mischung, die schnell zu einer Art “Ersatzreligion” wird. Die Gefühle “Barmherzigkeit und Mitleid” werden mit Systemkritik verbunden und ein Gemeinschaftsgefühl angeboten.

Mit radikalen Mitteln. Psychologisch clever inszeniert, bedient Peta auf ähnliche Art und Weise das, was Boulevard-Medien wie die Bild bestens in bare Münze umwandeln. Die Aufmerksamkeit für Tiere, Titten, Tote. Denn die “T”-Themen “gehen immer”. Deswegen findet Peta bei vielen Journalisten Gehör – wie aktuell beim Mannheimer Morgen.

Kritiklos werden die Botschaften transportiert – die Zeitung hat eine “Story” und Peta Aufmerksamkeit, die sich vermutlich in Spendengeld “auszahlt”.

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Jubel, Bangen, Hoffen, Gewissheit um das Mandat von Uli Sckerl: “Die Kurpfalz lebt!”

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Weinheim, 28. März 2011. (red) Die Wahlparty von Bündnis90/Die Grünen werden viele der über 200 Teilnehmer nicht vergessen. Immer wieder wurde in der Gaststätte “Zur Pfalz” in Schriesheim gejubelt – über die Ergebnisse der Hochrechnungen. Dann wurde gebangt. Denn die ersten Ergebnisse verschlechterten sich. Dann wurde gehofft. Und es wurde besser. Unklar blieb bis kurz vor 22 Uhr: Schafft es Hans-Ulrich Sckerl wieder in den Landtag? Dann kam die Nachricht und Uli Sckerl sagt: “Die Kurpfalz lebt!”

Von Hardy Prothmann

Was für ein “Krimi”. Die ersten Hochrechnungen machen die Grünen und die SPD zu den Siegern. Dann holen CDU und FDP auf. Ob es die FDP überhaupt schaffen würde, war lange nicht klar. In Rheinland-Pfalz ist die Partei klar abgewählt worden.

Dann geht es hin und her. In der “Pfalz” in Schriesheim wird immer wieder gejubelt. Aber es wird auch gebangt: “Is der Uli schon drin?” “Nein, ist noch offen.” “Der muss es schaffen. Wenn nicht er, wer sonst? Der hat so hart gearbeitet.” “Uli, Uli”-Rufe gibt es. Uli Sckerl freut sich, beschwichtigt, ist da und doch woanders.

"Bin ich drin?" Uli Sckerl weiß bis kurz vor 22 Uhr nicht, ob er gewählt worden ist.

Uli Sckerl hat ständig das Handy in der Hand. Er ist nah dran an den Menschen hier. Er freut sich. Macht Sprüche: “Hat jemand was anderes erwartet?” Lacht. In der rechten Hand hat er sein Handy. Schmal und glänzend. Ständig streicht sein Daumen drüber. Immer wieder schaut er drauf.

An eine Wand wirft ein Projektor die Fernsehnachrichten – immer wieder schauen die Wahlpartygäste hin, hören zu. Neueste Hochrechnungen. Irgendwann steht es nur noch 69 zu 70 für Grün-Rot. Die Stimmung wird verhalten. Es wird diskutiert.

“Macht euch keine Sorgen, das klappt”, sagt Sckerl.

Er genießt die Situation. Freut sich, was passiert. Dass der Wechsel aus seiner Sicht endlich da ist. Und aus der Sicht seiner Freunde hier auf der Wahlparty. “Ihr glaubt gar nicht, was es bedeutet, so jemanden wie Fadime zu haben.” Fadime Tuncer ist seine Büroleiterin im Wahlkreis. Sie hat “geschafft, unglaublich viel geschafft”, sagt Sckerl. Fadime freut sich. Alle freuen sich. Uli Sckerl freut sich.

Dann geht er raus. Auf den Parkplatz vor der Gaststätte. Die Straße rauf und runter. Das Handy am Ohr. Er ist ruhig, ernst, konzentriert. Niemand sagt jetzt zu ihm: “Mach dir keine Sorgen, das klappt.”

Er hat das Handy in der Hand. “Winfried…” Er telefoniert mit dem künftigen Ministerpräsidenten. Winfried Kretschmann. 62 Jahre alt. Katholik. Überzeugter Grüner. Besonnener Mann.

Was die beiden bereden? “Geschäftliches”.

Langes Warten - Uli Sckerl im Gespräch mit Freunden, darunter Dr. Fetzner, 1. Bürgermeister in Weinheim.

Uli Sckerl kommt zurück. Redet mit jungen Leuten. Er lehnt sich an die Wand. “Das ist jetzt ganz hart. Entweder bist du drin oder du bist draußen”, sagt er und guckt aufs Handy. “Das sind drei elende Stunden Warterei.”

Soviel ist klar. Der CDU-Kandidat Georg Wacker hat den Wahlkreis Weinheim (39) gewonnen. Das ist keine Überraschung. Der Wahlkreis ist “schwarz”, CDU-dominiert. Auch bei der vergangenen Wahl 2006 ist Uli Sckerl nur über ein “Zweitmandat” in den Landtag gewählt worden.

“Wenn Du nicht drin bist, bist Du draußen”, sagt er, schaut auf sein Handy. “Das ist einfach so.”

Auch soviel ist klar – Georg Wacker hat wie die CDU “verloren”. Zwar hat die CDU 60 Direktmandate und damit 60 von 120 regulären Sitzen. Aber die FDP wird nur sieben Sitze schaffen. Zusammen sind das 67. Die Grünen schaffen letzlich 36, die SPD 35 und das sind 71 Sitze – die Mehrheit. Schwarz-gelb ist abgewählt. Grün-rot ist gewählt. Doch das wird erst später “klar”.

Bei Uli Sckerl ist das kurz vor 22:00 Uhr klar, ob er “drin” ist. Er freut sich, geht zu den Menschen und steht dann wieder allein im Abseits auf dem Parkplatz oder der Straße. Telefoniert. Läuft auf und ab. Dann ist er wieder im Raum, die Nachricht kommt, der Jubel bricht los. Er hat das Mandat. Er ist “drin”.


(Die Licht- und Tonverhältnisse waren sehr ungünstig – wir bitten um Nachsicht…)

“Wir werden in Stuttgart ein Wörtchen mitzureden haben”, sagt er: “Die Kurpfalz lebt und wird Furore machen.” Die Party-Gäste klatschen und johlen. Auch Uli Sckerl lächelt. Er ist Profi. Trotzdem merkt man ihm die Erleichterung an. Der Druck ist enorm. Die Freude auch.

Auch Fadime lacht. Und die vielen anderen WahlkämpferInnen. Mitglieder der Ortsvereine, Sympathisanten, Gemeinde- und Stadträte. Uli Sckerl hat sie alle gelobt und geherzt. Es sind zu viele, um sie alle zu nennen.

Büroleiterin Fadime Tuncer strahlt - die viele Arbeit hat sich "gelohnt". Die Grünen haben gewonnen und ihr "Chef" Uli Sckerl gehört dazu.

Gegen halb elf fragt er die Bedienung: “Krieg ich noch was zu essen?” Ein Wurstsalat mit Pommes wäre noch zu haben. “Ja, gerne, nehm ich”, sagt Sckerl, geht wieder rein in den Raum, vor das Notebook seiner Büroleiterin. Scheckt Nachrichten.

Wie geht’s weiter? Wird er Minister?

“Dazu kann ich heute nichts sagen”, sagt er: “Jetzt wird verhandelt.” Auch vorhin am Telefon wurde bestimmt schon verhandelt.

Dann kommt sein Wurstsalat mit Pommes. Uli Sckerl isst mit Appetit. Er ist hungrig.

Und er weiß, dass er in den kommenden fünf Jahren das Land mitgestalten wird.

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Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg – Angebote im Netz


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 17. März 2011. (red) Die bevorstehende Landtagswahl wird äußerst spannend. Insbesondere wenn man die Umfrageergebnisse der vergangenen Wochen betrachtet – und die aktuelle Debatte um die Atompolitik vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe in Japan. Ob tatsächlich ein Machtwechsel stattfindet, kann momentan niemand sagen. Entscheidend wird das Verhalten der Wähler sein. Damit Sie sich einen besseren Überblick über die Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg verschaffen können, haben wir einige interessante Links zusammengestellt. Weiterlesen…

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168 Stunden online? – Jugendliche im Internet


Screenshot von YouTube

Screenshot von YouTube

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. März 2011. Facebook, Skype, SchuelerVZ – Jugendliche bewältigen einen Großteil ihrer “sozialen Kontakte” über diese Internet-Dienste. Aber wie sieht das typische Verhalten von Jugendlichen im Internet eigentlich genau aus? Unser Praktikant Paul Maaß hat das für uns dokumentiert. Eine Woche lang – 168 Stunden. Insbesondere Eltern dürften sehr daran interessiert sein, was ihre “Kids” im Netz so “anstellen”. Weiterlesen…

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Landtagswahl: Kandidaten im Netz – alle vertreten, aber…


Guten Tag!

10. Februar 2011. Die Landtagskandidaten der vier etablierten Parteien präsentieren sich im Internet – das Internet ist wichtig, das haben sie verstanden. Und jeder Auftritt ist mehr als nur eine “elektronische Visitenkarte” – aber Luft nach oben haben alle.

Von Hardy Prothmann

Den “Emo-Test” gewinnt ohne Zweifel Gerhard Kleinböck. Ich zeige meiner Frau die vier Seiten – eine nach der anderen für einige Sekunden und dann in umgekehrter Reihenfolge: “Herr Kleinböck wirkt am authentischsten in der Ladenburger Gasse, dann Herr Sckerl, der ist sympatisch, Herr Wacker ist zu glatt und von Frau Dr. Arnold sieht man kaum was.”

Meine Präferenz unterscheidet sich: Mir gefällt “auf den ersten Blick” das Angebot von Herrn Sckerl am besten, dann von Herrn Kleinböck, dann von Herrn Wacker und Frau Dr. Arnold am wenigsten.

Hätte Herr Wacker nicht eine Extra-Startseite “vorprogrammieren” lassen, hätte mir sein Blog vom ersten Gesamteindruck vor der Seite von Herrn Sckerl im Vergleich sogar am besten gefallen.

Zwei Blicke – zwei Sichtweisen. Und ich verstehe, was meine Frau mit “authentisch” meint. Politik ist immer auch Emotion und das Foto von Herr Kleinböck (SPD) ist nicht so dominant groß wie das von Herrn Wacker (CDU) und nicht zu klein wie das von Frau Dr. Arnold (FDP). Das Bild von Herrn Sckerl (Bündnis90/Die Grünen) ist verpixelt.

Uli Sckerl, Bündnis90/Die Grünen: Mit Abstand am meisten Inhalt.

Soweit zum “ersten Eindruck”. Der zweite Eindruck gilt dem “Aufbau” der Seiten.

Hier gefällt mir die Blogseite von Herrn Wacker am besten – sie wirkt aufgeräumt und übersichtlich.

“Zu grün” findet meine Frau die Seite von Herrn Sckerl, was ich nachvollziehen kann.

Bei Frau Dr. Arnold stört uns die veraltet anmutende Optik. Obwohl eine Sonnenblume Farbe reinbringt, fragen wir uns, was die Sonnenblume mit der FDP zu tun hat? Die Seite ist strukturiert, aber langweilig.

Dr. Birgit Arnold, FDP: Langweilig.

Bei Herrn Kleinböck gefallen die großen Schriften, das ist leicht zu erfassen.

Die Seiten von CDU und SPD arbeiten stärker als die anderen beiden mit Bildern. Bei diesem Vergleich liegen die Grünen noch hinter der FDP.

Wenn es ans “Eingemachte” geht, also an den tatsächlichen Informationsgehalt, führt die Seite von Uli Sckerl mit einem ganz beachtlichem Abstand vor allen anderen. Man merkt, hier wird informiert, statt nur präsentiert. Es geht am wenigsten um die Darstellung der Person, sondern um aktuelle Politik und Hintergründe.

Inhaltlich enttäuscht hingegen auf den ersten Blick die Seite der FDP am meisten, dann die der CDU. Das SPD-Angebot ist auch nicht wirklich überzeugend, aber doch “informativer” als von CDU und FDP.

Gerhard Kleinböck, SPD: Emotional authentisch.

Ganz schwach stellen sich die Angebote in Sachen Wahlkreis dar: Herr Sckerl verlinkt auf die Seiten der Gemeinden. Sonst gibt es keine “Vor-Ort”-Informationen. Herr Kleinböck präsentiert Texte wie aus einer Tourismusbroschüre und verlinkt auf SPD-Angebote.

Herr Wacker hat nur einen kurzen Text zum Wahlkreis, bei Frau Dr. Arnold fehlt der Punkt ganz. Das zeigt insgesamt keine besonders große Verbundenheit. Hier muss man als Wählerin und Wähler erwarten können, das für jeden Ort die wichtigsten Themen dargestellt sind, damit man auch weiß, dass die Kandidaten diese “auf dem Schirm haben”.

Immerhin: Herr Kleinböck bietet auf der Seite ein Facebook-Freunde-Feature auf eine eigene Seite an, die aber mit 60 “Fans” noch nicht sonderlich frequentiert ist. Die heutigen “Standards” Facebook und Twitter fehlen bei CDU und FDP ganz – auch hier liegt die Grüne Seite vorne, die alle Dienste im oberen Bereich anbietet. Allerdings nicht personalisiert auf die Person Sckerl, sondern auf die Grünen Baden-Württemberg.

Über die einzelnen “Engagements” bei Facebook braucht man nicht viel sagen – die sind entweder nicht vorhanden wie bei Herrn Wacker oder nicht ordentlich betreut.

Aber: Bündnis90/Die Grünen Baden-Württemberg und die SPD im Land haben gut frequentierte Facebook-Seiten – auch hier bleiben CDU und FDP chancenlos.

Würde man eine Wahlprognose anhand der Internetaktivitäten abgeben müssen, würden die Günen klar stärkste Partei, gefolgt von der SPD. Weit abgeschlagen wäre die FDP, die aber immerhin noch vor der CDU landen würde.

Erstaunlich ist bei allen, wie ausbaufähig die Angebote sind. Gute und informative Internetseiten sind heutzutage kein Hexenwerk mehr. Bis auf die FDP haben die Parteien auch sichtbar Energie in die Auftritte gelegt – leider nicht sehr konsequent.

Georg Wacker, CDU: Eigentlich modern, aber inhaltsleer.

Sehr gut gefällt die Informationsdichte bei Uli Sckerl. Von der “Nutzbarkeit” ist aber die Seite von Herrn Kleinböck besser. Herr Wacker gewinnt auf den ersten Blick und fällt dann stark ab. Frau Dr. Arnold überzeugt überhaupt nicht, obwohl eigentlich doch ganz ordentlich Informationen angeboten werden. Das Angebot bleibt aber zu steril, zu lustlos, zu wenig engagiert.

Zu aktuellen politischen Themen bieten nur Herr Skerl und Herr Kleinböck wirklich etwas an. Die SPD enttäuscht aber, weil es nicht über Statements hinausgeht. Sieger ist eindeutig die Seite von Herrn Skerl, der starkt auf Stuttgart21 setzt, was bei Herrn Kleinböck nicht vorkommt.

Die Angebote von CDU und FDP sind inhaltlich nicht weiter erwähnenswert, bis auf die Tatsache, dass Herr Wacker den Regierungsbonus voll ausspielt. Natürlich ist Ministerpräsident Mappus präsent. Eigentlich ist die Seite “optisch” am klarsten – sie ist aber inhaltlich am schwächsten.

Insgesamt ist es erstaunlich, dass sich die Kandidaten hier nicht mehr anstrengen. Im Vergleich zu klassischen “Werbemitteln” kann eine Website viel mehr leisten – rund um die Uhr. Doch wirklich ausspielen tut das keiner, wenn auch Herr Sckerl das umfangreichste Angebot hat und am “aktuellsten” ist, was die thematischen Schwerpunkte aus seiner Sicht angeht.

Was Web 2.0-Qualitäten betrifft, ist keine der Parteien überzeugend am Start. Und alle Layouts lassen sich noch deutlich verbessern, wenngleich die CDU hier die Nase vorne hat. Den Vorsprung gibt sie inhaltlich aber sofort ab.

Niemand erwartet, dass hier höchste “Design-Künste” umgesetzt sind. Aber Standards sollten es doch sein. Und vor allem wünscht man sich mehr Inhalte. Den bieten die Grünen – aber auch die nicht “vorbildhaft”. Beispiel: Eine “Begrüßung”, die immer gleich bleibt, braucht kein Mensch. Das gilt auch für die FDP-Seite.

Aktuelle Texte und andere Informationen und Termine müssen nach vorne. Politische Inhalte eben.

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Landtagswahl: Sckerl beherrscht die Debatte


Guten Tag!

Hirschberg, 19. Januar 2011. Am Montagabend diskutierten die vier Landtagskandidaten von CDU, Bündnis90/Die Grünen, SPD und FDP ihre Positionen auf Einladung der Freien Wähler.

Ein spannender Termin. Ein anstrengender Termin über fast drei Stunden. Anstrengend für das Podium und für die rund 70 Gäste.

Mit Fakten, Zahlen, Behauptungen, Zurückweisungen, Anklagen, Polemiken und Versprechen. Es ist Wahlkampf. Die Top-Themen waren nur vordergründig Stuttgart21 und die Schulpolitik.

Das echte Top-Thema, das zur Zeit das Land bewegt, ist die innere Verfassung der Politik(er) und der Bürger und wer über was bestimmt.

Von Hardy Prothmann

Von links nach rechts sitzen am Podium die aktuellen Abgeordneten und Kandidaten Dr. Birgit Arnold (FDP), Gerhard Kleinböck (SPD), Hans-Ulrich Sckerl (Bündnis90/Die Grünen) und Georg Wacker (CDU). In der Mitte sitzt Volker Barzyk, stellvertretender Vorsitzender der Freien Wähler und Moderator der Runde.

Bilder für die Presse.

Die Spannung ist zum Greifen.

Vor dem Podium sitzen rund 70 Bürger. Man merkt während der Wortbeiträge am Verlauf des Beifalls und der Kommentare, wer für wen ist. Es sind viele “Grüne” da. Natürlich viele Freie Wähler. Einige CDU oder SPD-Anhänger und ein paar für die FDP.

Auch im Publikum ist die Spannung zum Greifen.

Der Ortstermin hat Charme. Denn die Freien Wähler – die stärkste “kommunalpolitische Kraft” im Land – dürfen als “objektiv” gelten, weil sie (noch) nicht mit eigenen Kandidaten am Landtagswahlkampf teilnehmen. Aber sie sind so abhängig wie alle anderen von den Entscheidungen in Stuttgart – das relativiert die “Objektivität”.

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Volker Barzyk, Moderator

Die vordergründige Neutralität ist torzdem eine gute Voraussetzung für eine interessante Debatte im Feuerwehrhaus Großsachsen.

Selbst wenn man weiß, dass die Freien Wähler noch als “eher dem bürgerlichen Lager zugeneigt” gelten dürften. Unabhängig von einer Parteifarbe gilt die Realität der Entscheidungen in Stuttgart genauso unmittelbar für sie wie für die Parteifraktionen vor Ort. Und die Freien Wähler wissen auch in der wohlhabenden Gemeinde Hirschberg, dass die Landespolitik zu oft zu sehr zu Lasten der Kommunen geht.

Kräftemessen.

Moderator Barzyk beginnt unter Missachtung der “Farbenlehre” von ihm aus rechts gesehen, vom Publikum aus links, aber korrekt nach dem Alphabet und erteilt Frau Arnold das Wort.

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Dr. Birgit Arnold, FDP

“Ich sehe eine sehr positive Entwicklung. Vor der Schlichtung waren 54 Prozent der Bürger gegen Stuttgart21, danach waren 54 Prozent dafür. Das hat sich umgedreht.” Sie ist “enttäuscht über den Umgang der Grünen mit dem Schlichterspruch”: “Das ist politisch unterm Strich unglaubwürdig”, sagt sie. Sie sagt natürlich noch viel mehr, aber das ist die Kernbotschaft: “Stuttgart21 wird gebaut. Auch, wenn den Leuten vorgegaukelt wird, dass sich was ändern würde.”

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Gerhard Kleinböck, SPD

Herr Kleinböck sagt: “Die SPD hat in der Debatte um Stuttgart21 nur wenig stattgefunden.” Er informiert, dass die Mehrheit der SPD für Stuttgart21 sei, er selbst aber dagegen und sagt: “Ich empfehle dringend, den Protest der Bürger wahrzunehmen. Viele Abgeordnete haben mit Beginn der Baumaßnahmen gehofft, dass der Protest abnimmt.” Und er behauptet: “Wir haben die Möglichkeit für einen Volksentscheid eröffnet.”

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Uli Sckerl, Bündnis90/Die Grünen

Hans-Ulrich Sckerl sagt: “Die Schlichtung war gut und richtig. Es kann aber nicht sein, dass ein Mann einen Spruch verkündet und alle haben sich zu fügen. Nur ein Volksentscheid bringt eine Befriedung. Dem würden wir uns unterwerfen. So gute Demokraten sind wir allemal.” Und: “Frau Arnold, ich halte nichts davon, dass Sie unseren Rechtsexperten diffamieren und ihren über den Klee loben. Wenn man es politisch will, findet man eine Lösung.”

“Stuttgart21 ist ein Projekt, dass für alle Menschen von Vorteil sein wird,”, sagt Georg Wacker als letzter in der ersten Runde: “Sonst wird Baden-Württemberg umfahren.” Und: “Drei unabhängige Gutachter haben festgestellt, dass die Kosten von 4,5 Milliarden im Grunde realistisch sind. Das muss man dann auch akzeptieren, auch wenn ich Herrn Kleinböck und Herrn Sckerl recht gebe, dass es keine 100-prozentige Planung geben kann. Doch nach fünfzehn Jahren politischen Entscheidungsprozessen ist das demokratisch legitimiert. Es gibt eine Verpflichtung der Entscheidungsträger, zu den Entscheidungen zu stehen.”

Die Details sind nicht wichtig – die gingen eh an den Bürgern vorbei.

Gut eine dreiviertel Stunde ist vorbei. Keine Chance, auch nur annähernd den 15-jährigen Entscheidungsprozess wiederzugeben. Alle Kandidaten haben viel mehr gesagt, als sie hier zitiert werden. Sonst müsste man noch mehrere Seiten Protokoll anfügen.

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Georg Wacker, CDU

Es geht auch nicht ums Detail. Für Details standen 15 Jahre zur Verfügung. “Demokratisch legitimierte Entscheidungsprozesse”. Keiner bestreitet das. Doch alle wissen: Das ging an den Bürgerinnen und Bürgern voll vorbei. Es wird über Prozesse diskutiert, die offenbar zu unverständlich oder zu komplex sind. Oder nicht oder falsch oder zu intransparent vermittelt wurden.

Auch Moderator Volker Barzyk ist überfordert. Er tut so, als könne er einfach weiterfragen. Ohne dass er das möchte, spiegelt er die große Debatte im “kleinen” Rahmen.

Bereits an dieser Stelle spannen sich die Rücken der Gäste. Schon jetzt drängen Fragen. Aber es geht weiter.

Der Volksentscheid – die Antwort auf alle Fragen?

“Wie steht die FDP zu einem Bürgerentscheid?”, fragt Herr Barzyk.

“Ein Volksentscheid ist gegen die Verfassung”, antwortet Frau Arnold und rechnet vor, dass eine “Rückabwicklung” bis zu drei Milliarden Euro kosten würde.

Herr Kleinböck sagt: “Diese Illussion hatte ich nie, dass ein CDU-Mitglied Heiner Geissler für einen Volksentscheid ist. Dabei ist das die einzige Lösung, aus dem Dilemma herauszufinden.”

“Ich höre ständig neue Zahlen, die immer größer werden, was ein Ausstieg kosten soll”, sagt Sckerl. “Wir müssen den Menschen exakt sagen, was ein Ausstieg kostet und darüber informieren, dass sie die Kosten zu tragen haben, wenn sie sich mit Ja oder Nein entscheiden. Wovor haben Sie Angst, Frau Arnold?”

Herr Wacker sagt: “Wir haben die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit im Land, ja in ganz Europa. Die Frage ist, ob wir als moderner Unternehmensstandort erhalten bleiben oder nicht?” Er nennt viele Zahlen dazu und sagt: “Man muss sich über die Tragweite Gedanken machen, was passiert, wenn Stuttgart21 nicht kommt.”

Top-Thema: Bürgerinnen und Bürger.

Politik besteht nicht nur aus Zahlen und Fakten. Politik ist das, was die Menschen angeht, woran sie teilhaben. Politik ist das, was die Menschen bewegt. Zur Zeit sind die Menschen sehr bewegt.

Das ist das Top-Thema des Wahlkampfs in Baden-Württemberg – Stuttgart21 oder die Schulpolitik sind nur Synonyme dafür.

Das Top-Thema heißt: Bürgerinnen und Bürger. Und ob sie der Politik noch folgen können oder nicht.

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Gäste.

Hans-Ulrich Skerl ist an diesem Abend der Applaus-Sieger. Und nicht nur das: Ich sitze zwischen Freien Wählern und höre viele positive Kommentare. Und Murren. Vor allem über Frau Arnold und auch über Herrn Wacker: “Die verarschen uns”, sagt einer.

Uli Sckerl ist definitiv kürzer als die anderen drei, sagt klare Sätze: “Die Bürger gehen auf die Barrikaden, keine Chaoten, sondern ganz normale Bürger wie die hier in Hirschberg.”

Ein Gast ruft: “Die habt ihr in Bussen hingekarrt.” Uli Sckerl wiegelt ab: “Die Regierung hat überzogen, ohne Not, als sie einfach weitergemacht hat und den Protest nicht ernst genommen hat. Wenn das so weitergeht, wird es keinen Frieden geben.”

Unruhe vs. Aufmerksamkeit.

Als wenn manche im Publikum ihn bestätigen wollten, wird laut dazwischengerufen, gemurmelt, es herrscht Unruhe – wenn Sckerl redet.

Dabei redet er ruhig, verständlich und über die Rechte von Bürgern. Die “Sckerl-Gegner” in den Reihen der Gäste machen keine gute Figur an diesem Abend. Wahrscheinlich halten sie sich für “gute Bürger” und benehmen sich dabei einfach schlecht.

Wenn Frau Arnold oder Herr Wacker reden, verhalten sich die “grünen” Gäste ruhig und aufmerksam. Es wirkt wie ein Spiegelbild der Stimmung im Land. Friedliche Proteste, die zu “Gewaltdemos” stilisiert und niedergeknüppelt werden, stehen krakelenden “rechtschaffenden Bürgern” entgegen.

Zahlen und Verdächtigungen.

Herr Wacker redet was von “Initiatoren des Protests”.

Uli Sckerl verweist auf die Zahlen: “Während seit Monaten jedes Wochenende und an den Montagen bis zu 100.000 Bürger aus der Mitte der Gesellschaft auf die Straße gehen, haben die Befürworter gerade mal 7.500 Menschen versammeln können. Das sind die Zahlen und die muss man ernst nehmen.” Auch jetzt wird gestört, aber nicht mehr so sehr.

Es geht weiter mit der Schulpolitik – wieder gibt es zu lange Statements der Kandidaten. Das ist mehr als anstrengend für die meisten Gäste. Man merkt die Anspanung.

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Arnold und Kleinböck.

Moderator Barzyk ist dem Redebedürfnis der Kandidaten kaum gewachsen und setzt zu selten einen Punkt. Zum Thema Bildung verirrt sich der Kandidat Kleinböck in langen Gedankengängen. Es fällt ihm sichtlich schwer, sich zu konzentrieren, obwohl er als Lehrer und Schulleiter eigentlich “der” Fachmann am Tisch ist.

Frau Arnold wirft Zahlen über Zahlen in den Raum und redet nur davon, wie positiv alles sei: “Wir haben die Werkrealschule auf den Weg gebracht.”

Bilderung ja – aber welche und wie?

Georg Wacker, Staatssekretär für Bildung bekennt sich wenig überraschend zum bestehenden Schulsystem und sagt: “Wir müssen die Realschule stärken. Sie ist die Schulart des sozialen Aufstiegs.”

Uli Sckerl sagt: “Wir wollen keine Schulform, die von oben verordnet wird. Wenn die Schulreformen so “rosig” sind, wieso gibt es dann so viel Aufruhr? Wieso ist der Landeselternbeirat dagegen? Warum gibt es so viele Hauptschulrektoren, die sagen, dass diese Schule keine Zukunft hat?”

Herr Wacker und Frau Arnold finden, dass das achtjährige Gymnasium “internationaler Standard ist. Da gibt es keinen Weg zurück.” Herr Kleinböck sieht das anders und will den Schulen freistellen, ob sie einen “G8″ und einen “G9″-Zug anbieten. Und Uli Sckerl kann sich vorstellen, dass die Schüler bis Klasse 10 gemeinsam mit unterschiedlicher Förderung “in der Kommune” unterrichtet werden: “Es gibt Alternativen zum dreigliedrigen Schulsystem.”

Herr Wacker sagt: “Wer die Hauptschule zur Unterschule abstempelt, stempelt die Schüler ab.” Es wird geraunt. “Das ist doch die Realität”, sagt jemand.

Immerhin, man ist sich einig, dass die “individuelle Förderung” zunehmen muss.

Die Gäste dürfen Fragen stellen. Viele ergehen sich in Erklärungen. Der frühere Freie Wähler-Vorsitzende Manfred Kopp sagt: “Nach 57 Jahren Regierung gibt es Verschleißerscheinungen. Demokratie lebt vom Wandel. Erleben wir ein “grünes Wunder” oder ein Come-Back der regierenden Parteien?”

Um 22:17 Uhr ist die “Diskussion” beendet, die pünktlich um 19:30 Uhr begonnen hat.

Die Gäste und auch die Kandidaten sind sichtlich geschafft von der Anstrengung.

Eindrücke.

Als Beobachter gebe ich meinen persönlichen Eindruck wieder – der sicher vom Eindruck anderer abweichen kann.

Ich unterstelle allen Kandidaten, dass sie das beste wollen – keiner ist in einer wirklich entscheidenden “Machtposition”, wie es beispielsweise ein Minister ist.

Aber es gibt deutliche Unterschiede. Der Staatssekretär Wacker “repräsentiert” immerhin die Macht als CDU-Mitglied. Er betont immer, wie seriös die Entscheidungen seien. Was mir missfällt ist seine “Angst-Rhetorik” – wenn Stuttgart21 nicht kommt, geht Baden-Württemberg den Bach runter. Wenn man etwas am Schulsystem ändert, riskiert man ein “erfolgreiches” Modell. Mit gefällt, dass er einlenkt und sagt, dass die regierende Politik an den Bürgerinnen und Bürgern vorbei entschieden hat und dies ein Fehler ist.

Die “Koalitionspartnerin” Frau Dr. Arnold kann überhaupt nicht überzeugen. Sie wirft mit Zahlen um sich, die “künstlich” wirken und kann keine echte Überzeugung darstellen. Als sie Herrn Wacker fragt, ob sie sich äußern dürfe, mag das höflich gemeint sein, wirkt aber nur unterwürfig.

Herrn Kleinböck ist die Koalitionsbereitschaft mit den “Grünen” mehr als deutlich anzumerken. Zu oft redet er statt zu den Gästen in Richtung Herrn Sckerl. Er scheint sich damit abgefunden zu haben, dass diese Wahl zwischen den Grünen und der CDU entschieden wird und die SPD keine große Rolle spielt.

Der “Innenpolitische Sprecher” Hans-Ulrich Sckerl dominierte die Diskussion – nicht durch provokante Äußerungen, sondern durch Einsicht, dass die Bürgerinnen und Bürger bis ins bürgerliche Lager hinein mit der Regierungsarbeit nicht einverstanden sind. Überzeugend wirkt er durch seine Forderung, diese entscheiden zu lassen und sich einem Votum zu beugen.

Wacker vs. Sckerl. Sckerl vs. Wacker.

Damit ist Herr Sckerl der ernstzunehmende Gegenspieler von Herrn Wacker, der bekennt, dass die CDU-Politik an den Bürgern vorbeigegangen ist und dadurch sicherlich auch “Punkte” macht.

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Die Kontrahenten: Sckerl und Wacker.

Der Wahlkampf wird ganz sicher an dieser Linie entschieden und der Frage, wem der Bürger mehr glaubt: Einer “geläuterten” CDU oder dem “Einläuten” einer neuen Ära durch die Grünen.

Die SPD spielt zwischen diesen Lagern keine große Rolle. Die FDP schon gar nicht.

Aller Voraussicht nach wird aber entscheidend sein, ob die FDP den Wiedereinzug ins Parlament schafft – und Die Linke nicht.

Der Weinheimer Kandidat von Die Linke, Matthias Hördt, war an diesem Abend nicht dabei. Angeblich, weil das den “Rahmen” sprengen würde, wie die Weinheimer Nachrichten den Freien Wähler-Sprecher Peter Johe zitierten.

Tatsächlich wohl eher, weil Die Linke noch nicht ins “politische Bild” der Freien Wähler passt. Auch das könnte sich ändern, ob das den Freien Wählern passt oder nicht.

Sollte Die Linke erfolgreich sein, wird deren Erfolg durch die verfehlte Politik der CDU befördert – unterstützt durch eine auch an diesem Abend deutlich gewordene fehlende Positionierung der SPD.

Grünes Wunder oder bürgerliches Come-Back?

Die Grünen haben noch längst nicht gewonnen – Uli Sckerl machte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er sich mit seiner Partei bereits an der Macht sieht. Trotzdem war er der souveränste an diesem Abend. Denn die Grünen werden mit großer Wahrscheinlichkeit die absoluten Wahlsieger werden.

Ob es reichen wird, die Macht im Land zu übernehmen, wird erst am 27. März 2011 entschieden.

Das wäre ein “grünes Wunder”.

Wenn das nicht eintritt, bleibt es trotzdem spannend, ob es zu einem “Come-Back” der bürgerlichen Parteien kommt oder es beim Dienst nach Vorschrift bleibt.

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Hochwasser: Die Lage an der Weschnitz hat sich vorerst entspannt


Guten Tag!

Weinheim/Rhein-Neckar, 14. Januar 2011. (red) Am Abend hat sich die Situation entlang der Weschnitz in Weinheim leicht entspannt. Der Höchststand war nach 17:00 Uhr mit 2,22 Meter erreicht worden und liegt nun unterhalb von zwei Metern. Das Rekordhochwasser von 1970 hatte einen Pegelstand von 2,26 Metern. Gegen 23:00 Uhr sind rund 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Bauhofs, des THW und der DLRG vor Ort und sichern den Weschnitzdamm auf einer Länge von rund einem Kilometer ab.

Von Hardy Prothmann, Fotos: local4u

“Der Damm ist sehr weich geworden”, sagt Einsatzleiter Patrick Müller von der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim, “hier und da ist klares Wasser ausgetreten. Diese Stellen sichern wir jetzt mit Kies, Folien und Sandsäcken ab.”

Überdimensionale "Pflaster" für den Damm, der aufgeweicht ist. Foto: local4u

Klares Wasser ist ein gutes Zeichen. Wäre es schmutzig, wäre das ein Hinweis darauf, dass Material abgetragen wird. Das wäre kein gutes Zeichen.

Wir stehen auf einem Bauhofgelände in der Weidsiedlung . Hinter Einsatzleiter Müller zieht sich der Damm. Feuerwehr und THW haben überall Lichtquellen installiert und leuchten die Einsatzstelle aus. Die Dieselaggregate brummen vor sich hin.

Bagger und Lkw mit Schüttgut rangieren und bringen das Material aus. Mit anderen Fahrzeugen werden die Sandsäcke an die Stellen gefahren, an denen der Damm butterweich geworden ist.

Wenn man drauf läuft, merkt man, wie vollgesogen das Erdreich ist. Es schmatzt beim Laufen und man sinkt leicht ein. Über die Straße rinnt das Wasser auf den daneben gelegenen Acker.

“ Strömungsretter ” der DLRG Rhein-Neckar stehen bereit, falls oben auf dem Damm gearbeitet werden muss. Sie sichern dann die anderen Hilfskräfte ab.

Die Weschnitz selbst ist gegen 21:00 Uhr nur weniger als einen Mater von der Deichkrone entfernt. Die Fließgeschwindigkeit ist sehr schnell. Das Wasser rast gleichsam durch den Kanal. Es stehen ein paar Schulustige herum.

Zunächst gingen die Einsatzkräfte davon aus, dass sie gegen Mitternacht fertig mit den Sicherungsarbeiten sein könnten. “Wenn wir Pech haben, dauert das die ganze Nacht”, sagt Patrick Müller, Abteilungskommandant der Abteilung Stadt.

Bis 20.30 Uhr hatte die Feuerwehr mit weiteren Hilfskräften der DLRG, des städtischen Bauhofs und des THW im Stadtgebiet 17 Einsätze zu bewältigen, insgesamt waren dabei rund 50 Personen im Einsatz.

Die Weschnitz in der Stadt - tobendes Wasser. Foto: local4u

Glücklicherweise ist es nicht kalt und es regnet nur leicht. Trotzdem ist die Arbeit mit den Sandsäcken kräftezehrend. Immer wieder wird der Damm von Einsatzkräften abgelaufen, die mit Handlampen nachschauen, wo die Rinnsale aus dem Damm herauslaufen.

Auf dem Gelände des Bauhofs hat die Feuerwehr ihre Einsatzleitung im AB-Mehrzweck (Abrollbehälter Mehrzweck) eingerichtet. Hier wird koordiniert und die Einsatzkräfte werden versorgt.

Sobald die Lkw das Material abgeladen haben, wird es mit einem Bagger verteilt. Grobes Material, braun und schmutzig. Auf dem Feldweg stehen die Schlammpfützen.

Das-  Material wird gut 20 Zentimeter dick angedrückt und wirkt wie schmutzige Pflaster auf den Wunden des Damms. Vor allem im unteren Bereich wird es ausgebracht, um den vollgesogenen Damm zu beschweren. Der muss gerade viel aushalten. Die Wassermassen drücken.

Zwischendurch müssen die Männer warten, bis der nächste Laster anrückt und seine Ladung ablädt. So wird das noch Stunden gehen. Die Fahrzeuge können nicht wenden, sie würden im ebenfalls komplett aufgeweichten Acker einsinken.

Immerhin ist soviel sicher: Das Weschnitzhochwasser ist zurückgegangen, der Pegelstand liegt gegen 23:00 Uhr unter zwei Meter. “Damit entspannt sich die Lage deutlich”, sagt Einsatzleiter Patrick Müller und stiefelt davon. Er will sich-  einen aktuellen Lageüberblick verschaffen.

Fotostrecke: local4u