Sonntag, 27. November 2011 (22:13 Uhr)

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Mariettas Kolumne: Zwischen Wechseljahren und Midlife Crisis – oder einfach nur in der Lebensmitte?


Rhein-Neckar, 24. Juli 2011 (red) Marietta berichtet aus ihrem bewegten Alltag. Ihre Geschichten kosten keinen Eintritt und sind mitten aus dem Leben – manchmal geht die Phantasie mit ihr durch, aber vielleicht auch nur wegen der Realität. Doch was ist real, was phantastisch? Bei Marietta mischen sich da manchmal die Sphären. Und wie ist das mit den Wechseljahren, der Midlife Crisis und mit den Männern? Kompliziert. Soviel steht fest.

Von Marietta Herzberger

Schwaches Geschlecht?

Mit ungefähr Mitte vierzig ist es erstrebenswert, persönliche Ziele, soweit vorhanden, annähernd erreicht zu haben oder sich zumindest in einem gewissen Zustand der Zufriedenheit zu befinden.

Gehen wir davon aus, das Projekt „Zielerreichung“ oder „angenehmer Zufriedensheitspegel“ wurde in weiten Teilen umgesetzt, so lehnt man sich zurück, schaut sich das Ganze bewusst an und resümiert: Alles wunderbar. Kann so bleiben.

Dann erwischt sie dich, die Erkenntnis, dass du massiv auf die Wechseljahre zusteuerst oder schon direkt drin bist. So genau kann das keiner sagen, weil diese individuellen Befindlichkeiten bei Frauen gut 15 Jahre dauern können. Die Grenzen zwischen Beginn und Ende sind fließend und können nicht mal hundertprozentig über einen Hormontest fixiert werden. Je nach Tageszeit, Laune, Fett- und Antibiotikumgehalt der Vortagesmahlzeit.

Mal ehrlich: Haben wir als Frau nicht sowieso schon, und völlig ungerechtfertigterweise, den Stempel des schwachen Geschlechtes? Kurz aufgelacht. Wir pubertieren im Laufe eines weiblichen Lebens gleich zweimal und zwischendrin bekommen wir im schlimmsten Fall einmal im Monat schreckliche Bauchkrämpfe, welche sich immer den besten Zeitpunkt, wie zum Beispiel den jährlichen Urlaub, aussuchen. In jungen Jahren werden wir schlagartig mit Östrogenen zugeschüttet, die Brüste wachsen, die Hüften werden rund, die Pickel sprießen. Nach einer Weile lichtet sich das Hormonchaos und wir haben uns daran gewöhnt, mehr oder weniger.

Totale Fehlplanung

Knappe dreißig bis fünfunddreißig Jahre später spult der Film rückwärts. Das Östrogen hat keine Lust mehr und zieht sich zurück. Der langsame Rücklauf jedoch funktioniert nicht in allen Bereichen so wie wir es gerne hätten. Ich gebe zu, die Zeit ohne diesen monatlichen Dorn stelle ich mir recht angenehm vor. Die dämlichen Begleiterscheinungen jedoch müssten nicht sein. Hat das Östrogen damals Brust und Hüften wachsen lassen, läuft das jetzt nicht unbedingt umgekehrt. Blöde Sache. Der Brüste schrumpfen zwar, das Gewebe aber bleibt und zieht nicht nur deine Selbstachtung nach unten. Die Hüften schrumpfen allerdings nicht. Schön wäre es. Nein, sie wachsen weiter, weil der sich der Stoffwechsel ohne sein Östrogen auch nicht mehr so frisch fühlt und in aktive Altersteilzeit wechselt. Er ist zwar noch da, arbeitet jedoch nur noch anteilig. Wir setzen mehr Fett um die Körpermitte an, um das in kalten Wintern zu schützen, was wir dann sowieso nicht mehr brauchen. Totale Fehlplanung.

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Könnten wir nicht auf die letzten Meter noch mal schön schlank, glatt und gestrafft sein? Nein, können wir nicht, weil die Natur vorsieht, nur die Gebärfreudigen und -fähigen ins Beuteschema fallen zu lassen. Verabschiedet sich bei uns das letzte Ei, können die Herrschaften noch so lange Nachwuchs zeugen, bis sie tot überm Pissoir hängen. Das ist der Gipfel der Evolutionsunverschämtheiten. Wenn dann kein finanzielles Polster zur besonderen Verfügung träge auf dem Konto liegt, um die Vielfalt der Schönheitschirurgie auszutesten, wird man sich weise und erhaben dem ganz natürlichen Prozess überlassen müssen. Wenn ich es mir so recht überlege, ich das angesichts der zuhauf in den Medien vertretenen Botox-Monster sicher nicht das Falscheste.

Wir Frauen müssen irgendwann mal während der Schöpfung ganz laut „Hier!“ geschrien haben. Hier, wir nehmen das künftige Leid aller Menschen auf uns, sind einmal im Monat unrein und gebären unter Schmerzen unsere Kinder – so wurde es zumindest – und wird es manchmal auch immer noch, von den verschiedenen Religionen gepredigt. Ein gut funktionierendes Modell? Nach dem Motto: „Never change a running system“?
Und die Männer? Das starke Geschlecht? Meine lieben Damen, liebe Mütter und Verbündete. Mal ehrlich, wie vielen Männern gebt ihr die Chance eine Geburt zu überleben? Richtig. Keine. Die Menschheit wäre ausgestorben, würden wir diesen Part dem starken Geschlecht überlassen!

Wechseljahre oder Midlife Crisis. Was ist besser?

In der Jugend kämpfen sie ebenfalls mit der Pubertät, den sprießenden Pickeln und – davor bleiben wir verschont – dem einhergehenden Stimmbruch. Kommen wir in die Wechseljahre, kommen sie in die Midlife Crisis. Das klingt besser. Ist es auch.

Haben wir Schweißausbrüche, weil die Hormone versuchen, sich auf Teufel komm raus gegenseitig zu ersetzen, haben sie Schweißausbrüche, wenn die nette junge Nachbarin ein zartes, junges „Hallo“ haucht. Haben wir Schwindelanfälle, weil der Körper sich umstellt, ist ihnen schwindelig, wenn sie zu viel trinken oder sich mit Mitte fünfzig noch mal ins Cabrio setzen (das sie sich erst jetzt leisten können) und zu schnell fahren.

Was für uns der Töpferkurs zur Selbstfindung, ist für sie die neue junge Frau mit der Wahnsinnsfigur. Ist die Midlife Crisis nichts anderes, als der verzweifelte Versuch eines alternden Mannes, seine Samen nochmals erfolgreich in die Welt zu streuen? Das Resümee in der Lebensmitte? Reichen ihm Frau und Kinder? Ist der Job der richtige? Hat er alles getan, was er tun konnte? War es das jetzt? Er stellt seine Erfolge in Frage und sich in Szene. Einige setzen dann noch mal ganz neu auf.

Wenn ich detailliert darüber nachdenke, dann haben wir Frauen nicht nur die Wechseljahre sondern zu allem Überfluss die Midlife Crisis gratis dazu. Auch wir ziehen Resümee und so manche fragt sich, ob es das jetzt war, mit dem ehemaligen Adonis, der inzwischen geschätzte 120 Kilos auf die Waage bringt, auf dem Sofa sitzt und weder seinen Geist noch seinen Hintern hochbekommt.

Wir versuchen, uns zu erhalten. Sie versuchen, sich zu vermehren. Ganz simpel eigentlich, wenn man es schwarz-weiß sieht. Tun wir aber nicht, dafür sind wir Frauen. Wir sind verständnisvoll und beleuchten immer alles von allen Seiten, um es allen anderen und uns selbst Recht zu machen. Wir sind stolz darauf, was wir sind und insgeheim wissen wir, dass das vermeintlich „starke Geschlecht“ unterhalb von Weicheiern begrenzt ist. Und trotzdem lieben wir es!

Warum erzähle ich das alles? Nun ja, mit Mitte vierzig ist man eben keine dreißig mehr.
In diesem Sinne

Eure Marietta

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen über den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos überzogen. Es sind keine “journalistischen” Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: “Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen” – Konrad Adenauer. Und: “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren” – Bertolt Brecht . Wir wünschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

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Die erste Woche – der Weg zum Nichtraucher ist steinig und schwer …


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 29. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Die erste Woche – als Fast-Nichtraucher.

Von Marietta Herzberger

Nur dieses eine Mal ...

Haben auch Sie Angst, aufzuhören? Das Rauchen sein zu lassen und sich keine mehr anzustecken? Finden Sie tausend verschiedene Gründe, weiter zu rauchen? Willkommen im Club der Meister der Selbstlüge.

Ein Beispiel, wie sehr sich der Mensch selbst und mit wachsender Begeisterung in die Tasche lügen kann, ist Karla.

Sie ist eine entfernte Verwandte von mir und schon seit ich sie kenne mal mehr, mal weniger übergewichtig und Raucherin. Sie erzählte mir, dass sie irgendwann mal aufgehört und spontan fünf Kilo zugenommen hatte. Dann fing sie wieder an, um nicht weiter Gewicht aufzubauen. Damals fragte ich sie, ob sie die fünf Kilo wieder abgenommen hätte. Nein, hätte sie nicht. Aber zugenommen habe sie seitdem auch nicht mehr. Deswegen würde sie ja rauchen, um essen zu können.

Sie raucht also, um essen zu können? Um ruhig zu bleiben. Um sich zu konzentrieren. Um-€¦

Wir Menschen sind Meister, wenn es darum geht, uns selbst in die Tasche zu lügen.

Diese Ängste waren immer mein Hemmschuh auf den halbherzigen Wegen zum Nichtrauchen. Ängste, die mich Dinge glauben ließen wie: Ich genieße es. Ich rauche gerne. Es beruhigt mich-€¦

Diese Ängste sind auch heute noch stellenweise bei mir und dicke befreundet mit Zoppo, meinem Rauchelf, der alles versucht, mich wieder an die Giftstängel zu fesseln.

Nur dieses eine Mal …

Sie flüstern mir dann Dinge in mein offenes Ohr wie: “Komm. Wenn du jetzt keine rauchst, dann isst du diesen Schokoriegel. Denke dran: Wenn du diesen Schokoriegel isst, dann wirst du zunehmen! Das ist echter Hunger. Kein Hunger auf Nikotin. Vertreibe ihn, den echten Hunger. Komm, nur ein paar Züge. Du kannst es doch jederzeit wieder lassen. Nur dieses eine Mal.“

Vor einigen Tagen hastete ich durch Termine verschiedenster Art, meine Tochter bekam spontan schulfrei, mein Hund musste zum Tierarzt, mein Auto ging nicht mehr an, es regnete in Strömen, der Akku meines Notebooks gab den Geist auf und meine Kaffeedose war leer. Mein Mann war beruflich unabkömmlich und die Großeltern meines Kindes in Urlaub. Und was tat ich?

Ich lief auf Notstrom. Was tat ich in solchen Situationen sonst noch? Richtig. Runterkommen. Sammeln. Fokussieren. Erst mal Pause machen. Sprich: Eine rauchen. Und ich tat es. Bis zur Hälfte. Dann ging es mir besser. Blöd, war aber so. Warum ging es mir dann besser? Keine Ahnung. Wahrscheinlich das Grundbedürfnis, etwas Vertrautes als Trösterchen zu nutzen, wenn alles um einen herum augenscheinlich im Chaos versinkt. Leider hielt dieses Gefühl: „Mir geht es jetzt besser“ nur so lange an, bis ich die Zigarette ausgedrückt hatte. Dann ärgerte ich mich über mich selbst.

Ich ärgerte mich so sehr, dass ich am Abend auf einem Konzert dem Caipirinha dankbar zusprach und dazu rauchte. So war es gut, so war es schon immer und morgen würde ich das wieder lassen. Der Selbstbetrug ging so weit, dass ich den Abend richtig genoss.

Tröste mich Zigarette, ich hatte einen Scheißtag!

Der fahle Geschmack am nächsten Morgen war ekelhaft. Das Gefühl, versagt zu haben, noch schlimmer. Das Wissen, dass ich diesen Rückschritt niederschreiben sollte, machte meine Laune nicht wirklich besser.

Was habe ich nun davon?
Entzugstechnisch befinde ich mich wahrscheinlich wieder auf Tag Eins. Auf alle Fälle fühlt es sich so an.

Und ich nehme mir vor: Bis auf weiteres werde ich bei Festivitäten eher dem Wasser als dem Alkohol zusprechen.

Der Weg zum Nichtraucher ist steinig und mit vielen persönlichen und ganz individuellen Steinen gepflastert. Manchmal ist man zu müde und die Beine zu lahm, um sie noch über die Steine zu heben. Dann latscht man einfach drauf oder stolpert, statt anzuhalten, kurz Luft zu holen, um Kraft zu sammeln und dann das Bein zu heben. Gehen Sie zurück auf „Los“!

Zurück auf „Los“? Eigentlich nicht. Ich mache dort weiter, wo ich vor dem „Rauch-Ausrutscher“ war. Beim Nichtrauchen.

Im August werde ich in Urlaub gehen und mein Tagebuch nur für mich schreiben. Es wird seit sehr langer Zeit ein rauchfreier Urlaub werden. Darauf freue ich mich. Ich freue mich darauf, ganz entspannt am Flughafen auf den Flug zu warten. Ich werde nicht überlegen müssen, wo ich im Flughafen rauchen kann. Nicht panisch werden müssen, weil ich im Flieger keine rauchen kann. Ich werde die Reise einfach genießen können. Darauf freue ich mich. Ich werde ab Mitte September wieder berichten. Schonungslos ehrlich.

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang schrieb sie täglich, später immer dann, wenn es “was neues” gibt. Jetzt geht sie erst mal in Urlaub und wir sind schon gespannt, was sie uns danach berichten wird.

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Glückwunsch! Unsere Autorin Marietta gewinnt Platz 3 beim poetryweb.de :-)


Glückwunsch! Unsere Autorin Marietta Herzberger hat den dritten Platz beim poetryweb-Wettbewerb gewonnen :-)

Guten Tag!

Weinheim/Rhein-Neckar, 27. Juli 2011. (red) Seit Januar 2011 ist sie “an Bord” und schreibt regelmäßig ihre Kolumne für unsere Blogs : Marietta Herzberger aus Weinheim. Mit ihrem Text “Nicht ohne meine Hypophyse”, den sie im Februar beim Wettbewerb “ poetryweb.de ” eingereicht hat, hat sie aktuell den dritten Platz gemacht. In der Jury sitzt unter anderem “Chako” Christian Habekost.

Große Überraschung in der Redaktion: Zufällig haben wir am Abend entdeckt, dass unsere Kolumnistin Marietta Herzberger den dritten Platz beim poetryweb.de-Wettbewerb, der “Community für junge, moderne Literatur” gewonnen hat. ( Hier geht es zur Facebook-Seite von poetryweb.de )

Gute besetzte Jury (von oben): Christiane Güth, Christian Habekost, Christoph Hünermann, Usch Kiausch. Quelle: poetryweb.de

Herzlichen Glückwunsch!

Manchmal gibt es unglaubliche Zufälle. Der Text “Nicht ohne meine Hypophyse” liegt uns schon einige Zeit vor. Wir wussten nichts davon, dass Marietta diesen bei einem Wettbewerb eingereicht hat.

Montags ist unser Kolumnentag. Am Montag, den 25. Juli 2011, haben wir kurz nach Mitternacht redigierten Text unter der Überschrift: „Entschuldige, Schatz, du weißt doch, meine Hypophyse!“ veröffentlicht.

Und um 10:32 Uhr veröffentlicht poetryweb.de die Gewinner des jungen Literatur-Wettbewerbs – darunter Marietta Herzberger mit ihrem Text in der Kategorie “Innovation”. Gestern Abend stoßen wir über Facebook auf die gute Nachricht.

Die Jury ist gut besetzt : Die Autorin Christiane Güth, der Sprachwissenschaftler und Kabarettist Dr. Christian “Chako Habekost”, der Verlagsmanager Christoph Hünermann und die Kulturjournalistin Usch Kiausch haben die eingereichten Beiträge gesichtet und gewertet.

Die Gewinnerbeiträge werden in einem Buch veröffentlicht und auf der Frankfurter Buchmesse prämiert.

Die Gewinner des jungen Literaturportals, denen wir allesamt herzlich gratulieren, heißen wie folgt:

Innovation

1. Gedicht Nr. 2 über Marie – Stefan Müller
2. Kantinentisch – Michael Müller
3. Nicht ohne meine Hypophyse – Mari Etta

Kurzgeschichte

1. Ziel erreicht – Manuel Zerwas
2. Absurdes – Lina W.
3. Aufwachen um Kopf und Kragen – B.Z.

Lyrik

1. Der Humoris-Tisch – Liz Murphy
2. Bob Dylan – Kai Kraus
3. Konjunktivus permanens – Andreas Hecke

Einen schönen Tag wünschen Dir alle Mitarbeiter der Redaktion!

Anmerkung der Redaktion:
Alle Texte von Marietta Herzberger (die für uns aktuell über ihre Rauchentwöhnung schreibt) finden Sie, indem Sie bei der Suche rechts “Marietta” eingeben. Ebenfalls in der rechten Spalte finden Sie unter “Kategorien-Mariettas Kolumne” ihre Kolumnen sowie die Texte der anderen Autoren.

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Tag Fünf – Miesmacher und Bedenkenträger


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 23. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Tag Fünf – auf Miesmacher und Bedenkenträger kann Marietta gut verzichten.

Von Marietta Herzberger

"Miesmachersprüche möchte ich nicht hören!"

Die vermeintlich gut gemeinten Ratschläge von Ex-Rauchern machen mich wütend. Gelegentlich geben auch Noch-Nie-Raucher, welche Ex-Raucher oder Wieder-Raucher kennen oder gekannt haben, ihren zerschmetternden Senf dazu.

Gestern war ich im Kiosk um die Ecke, um eine TV-Zeitschrift zu holen. Der freundliche Mann hinter dem Tresen legte mir – wie er es gewohnt war – eine Schachtel Zigaretten dazu. Ich lehnte lächelnd ab und meinte stolz: „Danke, nein. Ich rauche nicht mehr.“

„Oh!“, schaute er mich interessiert an und fragte: „Wie lange schon?“

„Fünf Tage“, strahlte ich.

“Das ist doch gar nix.”

„Ach-€¦“, er machte eine wegwerfende Handbewegung, „das ist noch gar nix. Bei mir sind es jetzt sechs Jahre und ich hab’ immer noch Lust auf eine Zigarette.“

Eine Kollegin erzählte mir, dass sie nach einem halben Jahr wieder angefangen hätte. Nur eine Zigarette und schwupps – Raucher.

Eine Freundin kam hinterhältig daher und beneidete mich erst, um sich dann eine anzustecken und mir Rauch ausblasend vorzuschwärmen, dass sie es liebe, zu rauchen. Es wäre so entspannend. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mein Nachbar meinte, das würde bei mir eh’ nix mehr bringen, weil ich viel zu lange geraucht hätte. Sowieso alles kaputt. Alle Mühe vergeblich.

Mein Vater gab mit zu Bedenken, dass ein guter Freund von ihm – Gott habe ihn selig – Jahre nach seiner Rauchfreiheit Lungenkrebs bekommen hätte. Tod. Vom Rauchen. Trotz aufhören.

Miesmachsprüche – “will ich nicht!”

Danke! Was bitte, soll ich mit solchen Informationen anfangen? Ich will das gar nicht hören! So, wie ein überzeugter Raucher keine Nichtraucher-Empfehlungen liest und die Warnhinweise auf der Schachtel ignoriert, so will ich keine Miesmachsprüche hören. Will ich nicht, brauch ich nicht.

Die Aussicht, in sechs Jahren immer noch zu schmachten oder sowieso an den Folgen des Rauchens sterben zu müssen, ist nicht gerade zielführend.

Ich will Positives hören: Längere Lebenserwartung. Mehr Sauerstoff in Muskeln und Organen. Freier im täglichen Ablauf. Mehr Geld zur Verfügung. Bessere Haut, rosige Wangen, weniger fahl.

Und was mir mehr gibt, als andere ist, wenn meine Tochter zu mir sagt: „Mama, du riechst jetzt gut.“

In diesem Sinne

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang vermutlich täglich, so hat sie sich das vorgenommen, später immer dann, wenn es “was neues” gibt.

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Tag Vier: Hammerhart – heute war Zappo kurz vor dem Sieg


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 18. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Tag Vier – “Ersatzfressen gibt es nicht mit mir”, sagt Marietta – oder doch?

Von Marietta Herzberger

Nichts wie raus! Das einzige was hilft gegen die Schmacht.

Was ein Tag! Solche Tage braucht kein Mensch. Schon gar nicht einer, der gerade Nichtraucher werden möchte. An und in allen Ecken lauerte Zappo und grinste hämisch, schürte meine Rauchlust, schürte mein Verlangen nach diesen Drecksröhrchen. Warum erst heute, warum nicht gestern oder am ersten Tag? Weil Zappo nicht doof ist und man sich selbst an schlechten Tagen nur bis zu einem gewissen Grad selbst überlisten kann. Kommen ungünstige Faktoren zusammen, knallt es eben.

Tausendmal passiert nichts an der roten Ampel, welche man schon oft übersehen hat. Bis eines Tages von rechts ein anderes Auto im ungünstigsten Moment den Weg kreuzt, den du auch gerade nimmst. Den kurz nach der roten Ampel.

Nun, heute ist mein Weg mit roten Ampeln gepflastert, von überall her tauchen sich auf mich zu bewegende Hindernisse auf und vom vielen Ausweichen bin ich ganz hibbelig.

Das ist nicht gut. Zumal die eigene Brut genau spürt, wenn Mama gerade eben mal nicht gut drauf ist. Das wird gnadenlos ausgereizt.

Natürlich habe ich Tochter und Mann grundlos und übertrieben angekläfft. Den Hund jagte ich in den Garten, weil er gerade da lag, wo ich gehen wollte. Und überhaupt, warum zieht der Nachbar die Rollläden so laut hoch, dass man denkt, nebenan entgleist gerade ein ICE?

Ich bin gereizt! Aber auf dem richtigen Weg.

Also ab in die Sportschuhe, laufen gehen. Eine Stunde und zwanzig Minuten.

Da hatte es mich wieder, mein ersehntes Erfolgserlebnis. Das Laufen fiel mir leichter. Wieder konnte ich etwas länger laufen. Wieder spürte ich die frische, saubere Luft. Das spornt an und macht Mut und beweist: Ich bin auf dem richtigen Weg.

Zu allem Überfluss jedoch wurden wir kurzfristig eingeladen. Am Nachmittag. Zu netten Leuten. Kleines Kuchenbuffet im Garten, Kaffee, Sekt, Bowle, Bier, achtzig Prozent Raucher.

Also saßen wir im Garten. Ich nahm mir ein Stück Streuselkuchen und streuselte gedankenverloren daran herum. Langsam wollte ich ihn genießen. Sehr langsam. Ungefähr so langsam, wie die Zeitspanne, in der wir dort waren. Streuselchen für Streuselchen wurde das Stückchen weniger. Ganz langsam. Ich bin ja nicht bescheuert. Ersatzfressen. Nicht mit mir!

Den ganzen Nachmittag würde ich an diesem Brösel rumstreuseln. Eine halbe Stunde später lud ich mir Linzer Torte auf und trank vier Tassen Kaffee dazu. Irgendwann gaben die Raucher es auf, auf mich zu warten bis ich mit dem Essen fertig war. Genüsslich rauchten sie, entspannt zogen sie den Rauch tief in ihre Lungen und pusteten ihn langsam, sehr langsam wieder aus. Steckte sich einer eine Zigarette an, machten die anderen mit. Kumpelhaftes Kollektivquarzen. Toll!

Der Versuch, die Raucher erhaben zu beobachten, wie sie sich langsam aber sicher in den Tod qualmten, sich in vollem Bewusstsein das Blut verdickten und die Lungenbläschen einräucherten, scheiterte kläglich. Nichts erschien mir in diesem Moment so erstrebenswert, wie mit diesen netten Leuten zusammen einige nette Zigaretten zu rauchen. Ich fiel über den Nusskuchen her. Die letzten beiden Stücke der Schwarzwälder gehörten mir!

“Ich muss gehen. Sofort.”

Nichtrauchen fühlt sich an wie Hunger. Und nein, ich habe es nicht verwechselt. Ich habe mit Absicht Kuchen bis zum Overload in mich reingestopft. Wenn ich esse, rauche ich nicht. Dann fing es an zu regnen. Wir saßen unter einem Sonnenschirm, der den Regen nur in Teilen abhielt. Langsam, aber sicher wurden wir nass. Das Kuchenbuffet war geplündert. Die Hausherrin erschien mit etwas herrlich Duftendem. Blätterteig mit Schinken gefüllt, mit Käse gefüllt, mit Zwiebeln und Sourcreme, mit -€¦.“Schatz“, hauchte ich kurz vor der Ohnmacht, „ich muss gehen. Sofort.“ Wir gingen. Sofort.

Heute war also kein guter Tag. Ständig quälte mich die Schmacht. Mehrmals war ich kurz davor, mir Zigaretten zu besorgen, mein Kind an die Wand zu nageln, meinen Mann zum Teufel zu jagen, den Hund auszusetzen und mich einfach nur mit einer Stange Zigaretten und drei Litern Kaffee gepflegt zurück zu ziehen, um mir die Birne voll zu quarzen.

Es ist jetzt 20 Uhr am Abend. Ich habe nichts davon getan. Mein Augenstern malt ein nettes Bild für mich, mein geliebter Mann brütet über der Steuererklärung, der Hund schläft selig und ich schreibe. Danach werde ich schlafen gehen. Sehr früh.

Denn: Heute war Zoppo kurz vor seinem Sieg. Aber den Erfolg gönne ich ihm nicht. Nachts sind alle Katzen grau und alle Zoppos harmlos.

Zu guter Letzt: Der Tag hatte etwas Gutes:

- Sportliche Bewegung fühlt sich leichter an!
- Heute hohe Fettverbrennung durch lange Sporteinheit!
- Längere Sporteinheiten seit dem Nichtrauchen kein Problem. Klasse!
- Ich kann tiefer einatmen! Auch bei 10 Std/km. Das ist ein tolles Gefühl!

In diesem Sinne

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang vermutlich täglich, so hat sie sich das vorgenommen, später immer dann, wenn es “was neues” gibt. Die Texte sind einen Tag “versetzt”, weil sie ja erst am Ende des Tages schreiben kann, was sie in ihrem neuen rauchfreien Leben erlebt hat.

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24 Stunden rauchfrei!? – Wenn der große Hunger kommt


Einfach ausgedrückt.

Guten Tag!

Weinheim, 11. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: “Einfach ausdrücken”. Tag Zwei – der große Nikotinhunger kommt.

Von Marietta Herzberger

Der zweite rauchfreie Morgen. Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie noch vor Ihrem Wecker aufwachen und mit geschlossenen Augen den Tag planen? So erging es mir heute Morgen. Die Planung bestand aus hauptsächlich einer einzigen, dennoch überlebenswichtigen Frage: Wie fülle ich die Zeiten, in denen ich bisher zur Zigarette griff?

Beispielsweise morgens nach dem Aufstehen. Sonst stand ich immer früher auf, als ich eigentlich müsste, nur um eine freie, ruhige halbe Stunde für mich, meinen Kaffee und meine ersten Zigaretten zum Kaffee zu haben. Also stellte ich den Wecker später. Je länger ich schlafe, umso kürzer ist der Entzug. Leider hatte ich die Rechnung ohne meine innere Uhr und Zoppo, meinen Rauchelf, gemacht. Der saß hellwach in meinem Hirn, bimmelte die körpereigene Glocke und brüllte: “Aufstehen! Kaffee trinken! Rauchen!“

Nix da. Trotzig blieb ich liegen und malte mir aus, wie ich diese gefürchteten Nikotinlücken umschiffen könnte. Nachdem sich die Gedanken immer schneller im Kreis drehten, stand ich schließlich auf, kochte mir meinen Kaffee, nahm in meinem Lieblingssessel auf der Terrasse Platz, legte die Beine hoch und genoss das Koffein ohne Nikotin. Ganze zehn Minuten lang. Es fiel mir nicht leicht. Gestern fühlte sich alles etwas leichter an. Egal. Gefühl wegwischen und weitermachen in der morgendlichen Routine.

Voller Tatendrang und guter Vorsätze marschierte ich mit unserem Hund Richtung Feld. Frischluft! Nichts anderes würde heute meine Lungen und Lücken füllen.

Ich hatte Nikotinhunger

Hatte ich vorgestern noch geschrieben, ich würde das Rauchen nicht mehr zu meinem Thema machen? Vergessen Sie meine törichten Worte, im Rausch gebrüllt, in enthusiastischter Leichtigkeit geschrieben. Denn nur wenige Minuten später fing das Elend an. Ich hatte Nikotinhunger. Hunger auf eine Zigarette. Sehr großen Hunger. Verdammt großen, unaussprechlich riesigen Hunger auf eine Zigarette. Nur eine. Zum Kaffee.

So sehr ich mich bemühte, dieser Gedanke umwabberte alles in meinem Kopf, die ganze Zeit über. Er vermischte sich mit diesem Hungergefühl. Nur ist das Loch nicht im Magen, sondern etwas höher. In der Lunge, in der Luftröhre. Der Hunger auf das Gefühl, dass sich Rauch die Luftröhre hinab schiebt und in der Lunge ausbreitet. Es fühlt sich an wie richtiger, echter Hunger. Ist ziemlich ätzend und unerträglich.

Irgendwie schaffte ich es, eine Stunde mit diesem verteufelten Hunger durchs Feld zu latschen. Es hörte nicht auf. Es ließ nur mal kurz nach. Wahrscheinlich um Anlauf zu holen, um mir dann mit voller Wucht circa fünf Minuten lang (eine Zigarettenlänge) das Leben zur Hölle zu machen. Unfassbar!

Zu Hause angekommen öffnete ich die Haustüre, fütterte den Hund und stürzte zur Kaffeemaschine. Während meine Kaffeepad-Maschine aufheizte, hastete ich zum Auto. Da musste doch -€¦, war da nicht -€¦? Doch. Im Handschuhfach lag eine Schachtel mit einer Notfallzigarette. Man weiss ja nie, wo einen das Navi hinführt. Zum Schluss steht man irgendwo im Nirwana von Kasachstan und hat keine Zigaretten.

Werde ich schwach?

Schachtel geschnappt, fingertrommelnd gewartet, bis die Tasse voll Kaffee war, raus auf die Terrasse und – Zigarette angezündet. Scheiß Hunger.

Ein Zug gegen den Nikotinhunger.

Einmal zog ich daran. Dann wollte ich Kaffee hinterher schütten. Aua! Das fühlte sich nicht gut an! Es beizte an meinem Gaumen. Scharfer, beißender Rauch. Ich stellte die Kaffeetasse wieder ab und – zog noch einmal. Mir wurde schwindelig. Dann noch einmal. Hoher Seegang. Beim dritten Mal war das „Beißende“ weg. Aha! So ist das also. Da muss ich dreißig Jahre rauchen, um zu bemerken, dass ich meinen Gaumen und meine Sinne betäube. Dass der Kaffee nicht mit der Zigarette schmeckt, sondern nur dazu da ist, den widerlichen Geschmack, das eklige Gefühl des ätzenden Rauches aus der Mundhöhle hinunter zu spülen. Perplex drückte ich die Zigarette auf dem Terrassenboden aus – die Aschenbecher waren natürlich schon weg geräumt – und trank meinen Kaffee ohne Zigarette.

Und nun? Ja, ich war schwach geworden. Na und? Einmal nachgeben ist noch lange kein Aufgeben. Und dieses Mal ist mir nicht der Genuss der Zigarette in Erinnerung, sondern dieses kratzige, stechende Gefühl im Gaumen, das mit jedem Zug nachlässt.

Jetzt verstehe ich auch endlich meinen Mann, wenn er mich zwei- bis dreimal im Jahr bat, mal an meiner Zigarette ziehen zu dürfen, es dann tat und anschließend angewidert den Kopf schüttelte: „Ich werde es nie verstehen.“

Jetzt verstehe ich.

Der zweite Tag ist schwieriger als der erste. Der dritte wird schwieriger als die beiden davor – wahrscheinlich oder auch nicht.

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang vermutlich täglich, so hat sie sich das vorgenommen, später immer dann, wenn es “was neues” gibt. Die Texte sind einen Tag “versetzt”, weil sie ja erst am Ende des Tages schreiben kann, was sie in ihrem neuen rauchfreien Leben erlebt hat.

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“Einfach ausgedrückt” – Marietta hört auf


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Braucht eine gut aussehende Frau ein Kippe, um "cool" zu sein? Das Leben zu genießen? Marietta sagt: Nein. Nach 30 Jahren Raucherei. Wird sie es schaffen?

Guten Tag!

Weinheim, 07. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten zu beginnen. Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden Sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: Einfach ausdrücken.

Von Marietta Herzberger

Ich bin Mitte Vierzig, sportlich, nicht wirklich übergewichtig, arbeitende Mutter, Ehefrau, Hundebesitzerin, Kolumnistin. Und Raucherin. Seit gut 30 Jahren.

Ich habe sehr früh begonnen, rauche seitdem, hüstel, 20 bis 30 Zigaretten am Tag. In Gesellschaft auch mehr. Beim Wein sowieso.

Während der Schwangerschaft und einmal wegen des Sports habe ich gut drei Jahre nicht geraucht. Heimlich habe ich schon oft aufgehört und doch weitergeraucht.

Warum will ich ausgerechnet morgen das Rauchen sein lassen? Warum nicht an einem bedeutungsvollen Tag? Zum Beispiel am Tag meiner Geburt, dem Geburtstag meiner Tochter, Hochzeitstag, Namenstag oder an dem Tag, wo mein geliebtes Kind sich in eine einwöchige Ferienfreizeit verabschiedet.

Warum miete ich mich nicht mutterseelenallein in eine Finca ein, schreibe wie eine Blöde, springe ab und an in einen Pool und rauche dabei NICHT?

Langes Elend ohne die richtige Zeit

Weil es für mich persönlich nicht der Weg sein kann, ein Ziel in der Zukunft zu suchen und mich dann langsam darauf vorzubereiten. Das verlängert das Elend nur noch. Da ist dann nix mit Vorfreude, sondern nur mit Vorpanik.

Und: Weil es keine „richtige Zeit“ , nicht den „richtigen Tag“ zum Aufhören gibt. Es gibt nur das Aufhören – egal wann. Am besten sofort. Ohne großes Gedöns. Schnappzack. Weg mit. Aufhören. Und gut ist.

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Letzte Züge: Marietta liebt die Spaziergänge mit ihrem Hund. Aber sie "liebt" auch die Zigaretten. Auch in der Natur. Warum nur?

So, nun fixiere ich hier schriftlich vor aller Welt meinen Willen. Und mache Nägeln mit Köpfen.

Ab morgen höre ich auf. Punkt.

Dabei höre ich gar nicht auf zu rauchen. Ich fange einfach nicht wieder an. Dafür rauche ich heute noch mal was das Zeug hält. Jetzt auch. Moment – ich stecke mir gerade eine an. Glas Rotwein dazu. Lecker.

Irgendwann gehört die Zigarette dazu. Zu allem.

Lecker? Ja, der Rotwein. Die Zigarette nicht. War noch nie so. Aber sie gehört dazu. Für mich. Zum Rotwein.

Heute noch.

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Noch macht Marietta Faxen - Raucher können nie genug kriegen. Ist das Aufhören einfacher, als man denkt oder knallhart?

Auch zum Kaffee. Nach dem Essen. In der Pause zwischen Fenster putzen und Boden wischen. Beim Autofahren am offenen Fenster. Am Computer. Beim konzentrieren. Nach dem Kino.

Morgen nicht mehr.

Und wo soll ich ab morgen mit meinen Händen hin? Ersatzbeschäftigung suchen. Bierdeckel und Post-It-´s zerpflücken, in der Nase bohren. Letzteres kommt allerdings in Gesellschaft nicht so gut und scheidet daher aus.

Hypnose? Vielleicht hilft es.

Na ja, ich gebe zu, so ganz ohne Unterstützung traue ich mich nicht. Eines möchte ich versuchen. Hypnose.

Lachen Sie nicht!

Diese Hypnotiseure sollen sich da irgendwie einen Weg in dein Unterbewusstsein graben können, legen dann dort einen Schalter um und – schwupps – magst du keine Zigaretten mehr. Vereinfacht ausgedrückt.

Ich bin sehr skeptisch, möchte es aber dennoch einmal ausprobieren. Wer weiß. Erdbeeren mit schwarzem Pfeffer sollen ja auch ganz gut schmecken.

Vergangene Woche hatte ich ein Gespräch mit einem Mentaltrainer. Am nächsten Montag, den 11. Juli 2011, werde ich für schweineteueres Geld bei ihm eine Hypnosesitzung haben.

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Die Zigarette - so lange gehörte sie dazu.

Er meinte, dass ich weiterhin rauchen kann, mir aber zwischendurch immer mal wieder eine Situation ohne Zigarette vorstellen und auch mal leben solle, in welcher ich mich sonst mit Zigarette befinde. Habe das vier-, fünfmal praktiziert und muss sagen, die Vorstellung gefiel mir.

“Eine rauchen”

Dann zündete ich mir eine an. Man muss es ja nicht gleich übertreiben.

Da ich 24 Stunden vor der Hypnose sowieso keine rauchen darf, kann ich eigentlich auch ab morgen keine mehr rauchen. Ich muss sowieso in die Schule meines Kindes und drei Stunden Kuchen verkaufen. Davor bin ich im Büro und zwischendrin gehe ich mit meinem Hund joggen. Das spielt sich sowieso alles ohne Glimmstengel ab.

Manchmal kommt dann eins zum anderen. Heute Morgen erzählte ein Kollege, dass es unglaublich hart für ihn wäre, seinen Vater im Krankenhaus zu besuchen. Dieser wäre erst 64 und habe COPD. Vom Rauchen. “Chronic Obstructive Pulmonary Disease” – Chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Schauder.

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Wer ist mächtiger? Die Frau...

Er schilderte den Verfall seines Vaters sehr plastisch, sehr erschreckend, dramatisch erschütternd. Kurz danach ging meine Kollegin „eine rauchen“. Ich wollte nicht mit, so sehr steckte mir die COPD-Story in den Knochen.

Dabei habe ich vor einem Jahr meine Lunge überprüfen lassen. Röntgen und Lungenfunktionstest. Die Zeit nach der Untersuchung im Wartezimmer war die Hölle. Um mich herum hustende, gräulich gefärbte Gesichter und die Frage: Hat der Mann dort drüben, der so hoffnungslos vor sich hin starrt Lungenkrebs? Habe auch ich Lungenkrebs? Was, wenn die Diagnose „Lungenkrebs“ lautet?

Meine Hände waren feucht, mein Puls erhöht und ich hatte das Gefühl, die Leichenstarre lag schon vor mir auf der Lauer. Ehrlich? Ein absolutes Scheißgefühl.

Dann die Diagnose: Alles in bester Ordnung. Lungenvolumen sogar überdurchschnittlich. Sport und gute Gene. Ein paar mahnende Worte vom Arzt und der Entschluss, nicht mehr zu rauchen begleiteten mich bis ans Auto.

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...oder die Zigarette?

Dann zündete ich mir eine Zigarette an. Vor Erleichterung.

Bin ich eigentlich total bescheuert? Ich mache Sport – schon immer. Und rauche – schon immer?

Zwischendurch habe ich mal nicht geraucht. Habe wegen des Sports aufgehört, um nach drei Jahren wieder anzufangen. In der Schwangerschaft habe ich nicht geraucht, um nach der Stillzeit wieder anzufangen.

Noch bescheuerter! 30 Jahre! Mein Gott!

Ich stelle mir jetzt einfach nicht die Frage, ob bei mir noch was zu retten ist, oder das leichte Stechen auf dem linken Rippenbogen von der Wirbelsäule kommt.

Ich werde keinen Nichtraucherkalender führen oder das gesparte Geld in eine Rauchsau werfen. Ich werde das Rauchen ab morgen nicht mehr zum Thema machen, außer hier im Blog.

Soweit der Vorsatz. Die Zigarette sollte kein Thema sein, nicht einmal ein unwichtiges.

Denn es gibt wichtigeres im Leben. Ich mag mich mit diesem Stinkezeugs nicht mehr befassen müssen.

Ha! – “Müssen” – Falle!

Ich muss gar nix! Ich will es einfach nicht mehr.

Wenn ab morgen die Zigarette in mein Hirn will und meine Lunge nach dem Gift lechzt, werde ich “Halts Maul und zieh Leine!” schreien. Egal, wo ich bin und wer das hört. Einfach ausgedrückt: Ich mache mich lieber unmöglich, als dass ich mir wieder schnell “eine anstecke”.

Drückt mir Daumen!

Eure Marietta

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Mariettas Kolumne: Einmal Haustier, bitte!


Guten Tag!

4. April 2011. Verläuft das Leben gleichmäßig und ohne große Überraschungen, wiegt man sich in Sicherheit. So kann es bleiben, so ist es gut. Gelegentlich jedoch wird der Mensch leichtsinnig und setzt die geliebte Ordnung aufs Spiel. Beispielsweise dann, wenn Kinder vorhanden sind und man plötzlich auf den Hund kommt.

Von Marietta Herzberger

Die grundsätzliche Aussage, welche nach zwölf Jahren tierloser Ehe zu treffen ist, und bis heute unverrückbare Gültigkeit hat und von mir niemals in Frage gestellt wurde, ist folgende: Ich bin eine glückliche Ehefrau. Mein Mann ist nicht einfach nur mein Mann, sondern auch Partner, guter Freund und gelegentlich auch Leidensgenosse. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir sind ein eingespieltes Team und stolze Eltern eines liebreizenden, gelegentlich aufmüpfigen Kindes mit Namen Ella.

Wir bewohnen ein Haus im behaglichen Weinheim. Ruhige Lage und erstrebenswerte Spucknähe zur Autobahn inklusive. Möchte ich mit der Straßenbahn fahren, benötigt es lediglich ein paar leichtfüßige Schritte rechts aus unserer Haustüre heraus und –  rein ins Gefährt.

Zur Bushaltestelle wende ich mich leicht nach links. Das ist praktisch. Nur nachts nicht. Da nämlich stört das Bimmeln der OEG-Ampel-Warnanlage, das uns alle halbe Stunde mitteilt, dass die Zeit bis zum Weckerklingeln nahe rückt. Wir haben uns daran gewöhnt und schlafen mit Ohrstöpseln. Das blecherne Surren der Schranke, das ertönt, wenn sich diese herablässt und nach einigen Minuten- untermalt vom Bimmeln – wieder öffnet, versuchen wir noch irgendwie in unsere Träume einzubauen.

Träume vom Transsibirien-Express

In einer dieser schlaflosen Nächte hatte mein Mann die rettende Idee: „Schatz, lass uns vom Transsibieren-Express träumen. Da lässt sich das Bimmeln so schön einbetten.“ Ich fand „einbetten“ gut und passend. Seitdem steigen wir ab Einbruch der Dunkelheit beseligt ins Bett und treten unsere gemeinsame Reise an, bis es wieder hell wird.

Unsere Nachbarn sind größtenteils netter, aufgeräumter Durchschnitt und jeder pflegt seinen kleinen Reihenhausgarten mit Hingabe ohne bieder zu sein. Nein, nicht ganz. Am Ende der Straße wohnt ein älteres Ehepaar. Dieses ist stolzer Besitzer eines übersichtlichen, mit Inbrunst gepflegten Vorgartens, der sicherlich drei Bierkästen fasst und geometrisch einwandfrei mit kleinen, akkurat rund geschnittenen Buchsbaumkügelchen bestückt ist.

Damit dieses Kunstwerk niemand zerstört, wurde ein Stahlzaun in unauffälligem Braun, welches vorzüglich mit dem Altrosa des Hauses harmoniert, darum gezogen. Aber auch diese Nachbarn sind angenehm höflich und bis auf den Gartenzaun noch nicht straffällig geworden.

Kommt Zeit, kommt Wandel

Auf den Hund gekommen?

Wir sind also, wie schon gesagt, eine glückliche, kleine Familie. Ganz die Norm, nichts Außergewöhnliches. Nett, normal, beruhigend.

„Ihr seid so herrlich normal“, beneidete mich jüngst eine Freundin. Ich gebe ihr Recht. Allerdings hat sie nett und beruhigend vergessen. Bei Gelegenheit werde ich sie darauf ansprechen.

Doch zu einer Zeit des Wandels bestimmte meine kleine sanfte Tochter unerwartet energisch: „Mama, ich will ein Haustier!“

So ist das eben. Wenn die Zeiten pädagogisch wertvollen Spielzeugs vorbei sind, sucht man nach anderen Dingen.

Diverse Forschungen belegen, dass Kinder mit Haustieren, vor allem mit Hunden, über eine größere soziale Kompetenz verfügen und schneller bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, als Kinder ohne direkten Tierbezug.

Sie sind meist bewegungsfreudiger, zugleich ruhiger und ausgeglichener. Sie sind also zu Unzeiten gedämpft aktiv und das kann bisweilen erstrebenswert sein. Außerdem ist erwiesen: Einzelkinder können vereinzelt Defizite im Sozialverhalten aufweisen. Auch reiben sie sich nicht an Geschwistern, sondern an den Eltern, vorzugsweise an der Mutter. Im Prinzip war ich bereits überredet.

„Und was schwebt dir da vor?“ wollte ich von meinem blauäugigen Kind wissen.
„Ein Pferd!“
„Ein Pferd ist kein Haustier!“ widersprach eine männliche Stimme hinter dem Computer.
„Ist es doch! Es kann im Garten leben!“

„Wie wäre es mit einer Katze?“ warf ich ablenkend in die Runde. „Schatz!“, vorwurfsvoll wandte sich der Vater unserer-  Tochter mir zu, „du weißt, dass ich allergisch gegen Katzen, Hasen und Meerschweinchen bin-€¦!“

„Mir egal!“ brüllte es jetzt von dem tierlosen Einzelkind, „Ich (!) bin aber nicht algerisch! Papa kann ja ausziehen!“
„Ich ziehe nirgendwo hin. Soweit kommt es noch-€¦!“

Schmollend pulte unser kleiner Sonnenschein mit dem großen Zeh Löcher in den Teppich. Während ich verzweifelt grübelte, welcher tierische Artgenosse in Frage kommen könnte, zupfte mich etwas am Ärmel.

“Wenn Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?”

“Du Mama, wenn der Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“
„Ja klar, dann kriegst du einen Hasen, Süße.“

Mein Herzblatt schaute mich dankbar an. Warum? Was hatte ich gerade gesagt? Was lautete noch gleich ihre Frage? Katze? Hase? Wer ist tot? „Papa?“, säuselte unser Liebchen zart, „wann stirbst du denn?“

„Du stirbst?“, irgendwie hatte ich den Faden verloren. Ella schaute ihren Vater durchdringend an. Ja, fast schon hypnotisch. Offenbar erwartete sie nun, dass ihr Erzeuger tot vom Stuhl fallen würde. Der beschloss jedoch spontan, jetzt noch nicht abzutreten, trat stattdessen zu uns an den Tisch und gab seinem Unmut lautstark Raum: „Seid ihr noch zu retten!?“

Ich versuchte, das Gespräch weg von Tod und Teufel auf ein anderes Gleis zu lenken: „Ein Fisch wäre toll, oder? So ein Nemo in einem Glas“, und lächelte gleichzeitig versöhnlich meinem Mann zu: War nicht so gemeint, verzeihst du mir?

„Nemo ist doof!“
„Eine Maus“, kam der männliche Vorschlag. Er zwinkerte zurück: Weiß ich doch, schon okay.
„Maus ist auch doof!“
„Hamster?“, warf ich träge in die Runde.
„Total blöd!“

Eine Weile saßen wir uns schweigend gegenüber und suchten nach Alternativen. Doch weder Fußboden, Geheimschublade noch Zimmerdecke gaben etwas Brauchbares her. Schließlich, sich endlos ziehende zweieinhalb Minuten später, fand unsere Tochter als erste eine neue Idee: „Ein Hund?“ Sie verblüffte mich mit ihrer Raffinesse, die sie natürlich von mir hat, und richtete diese Frage mit engelsgleichem Blick an ihren Vater: „Einen Hund, Papa. Bitte, bitte, bitte.“

Fünfundzwanzigtausend Mal “Bitte”

Alle „Bittes“ hier aufzuzählen würde zu weit führen, also belasse ich es bei drei. Es waren aber deutlich mehr. Gefühlte Fünfundzwanzigtausend.

Mein Mann und ich schauten uns skeptisch an. Ein Hund. Dreimal am Tag Gassi. Fusselige Haare im ganzen Haus. Ein dreck- und fellverlierendes, sabberndes Betteltier, welches unserer klinisch reinen Ella genießerisch das Gesicht ableckt, wenn wir gerade nicht hinsehen? Konnten wir uns vorstellen, gelassen und heiter zu bleiben, wenn unser Goldlöckchen einträchtig mit einem verfressenen Kläffer vor dem Napf sitzen würde und die beiden sich das Trockenfutter teilen? Und überhaupt, was so was kostet!

In stiller Übereinkunft nickten wir uns zu. Wer von uns würde den, nach sorgfältigem Abwägen getroffenen Beschluss dem kleinen, voll banger Erwartung erstarrten Wesen überbringen?

Seufzend falteten wir die Hände. Ellas Augen wuchsen auf die Größe von Billardkugeln. Sie krallte sich in die Stuhllehne, während sie heiser flüsterte:“ Ein Hund-€¦bitte-€¦ein kleiner Hund-€¦nicht viel-€¦.sooo klein!“ Sie formte mit ihren Händen und Fingern sowas in der Größe wirklich sehr, sehr kleinen Hundes.

„Also, wenn, dann ein richtiger Hund! Mit so einer Straßenratte kann ich nichts anfangen“, brummte mein geliebter, weiser Mann und zwinkerte unserem siebenjährigen Wonneproppen zu.

Ich richtete mich zu voller Sitzgröße auf, um dem Begeisterungsturm standhalten zu können, der nun eigentlich folgen musste. Gespannte Vorfreude ließ uns Eltern erzittern. Gleich würde sie uns um den Hals fallen, Freudentränen ihre unverdorbenen Wangen benässen.

„Ich dachte schon, ihr könnt euch nie entscheiden“, unser ausgesprochen wohlgeratener Sprössling verdrehte kurz die Augen, sprachs, stand auf und stellte ungerührt fest: „ Ich hab Hunger. Wann gibt-€™s Essen?“
„Gleich!“, hauchte ich mütterlich gefasst.
„Was gibt es denn?“
„Hot Dogs!“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen über den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos überzogen. Es sind keine “journalistischen” Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: “Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen” – Konrad Adenauer. Und: “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren” – Bertolt Brecht . Wir wünschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

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Mariettas Kolumne: Von kleinen Zielen und großer Erschöpfung


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 28. Februar 2011. Marietta hat sich für’s Neue Jahr vorgenommen, sich kleinere Zielen zu stecken und vor allem Gelassenheit zu üben. Das wurde auf eine harte Probe gestellt.

Von Marietta Herzberger

Das Neue Jahr ist ja schon einige Zeit alt und ich habe Gabis Ratschlag , sich kleine Ziele zu setzen, bis jetzt erfolgreich umgesetzt.

Und siehe da: Es funktioniert. Ein kleines Ziel seit diesem Jahr ist für mich: Gelassenheit üben. Nur nicht über Nichtigkeiten aufregen. Ein weiteres ist, große Ziele in viele kleine aufzuteilen.

Der Weg ist das Ziel.

Früher sagte ich mir: „Marietta, wenn du die zehn Kilometer nicht in 6 Minuten 30 pro Kilometer läufst, bist du ein Loser. Das muss drin sein.“ Das Resultat war ständige Frustration.

Heute laufe ich entspannt zwei bis dreimal fünf Kilometer die Woche oder auch nur einmal drei Kilometer oder gar nicht – wie gesagt – kleine Ziele. Dabei fühle ich mich gut. Gerade letzte Woche haben mich zwei übergewichtige Walker überholt. Egal. Der Weg ist das Ziel und falscher Ehrgeiz die Bremse dahin. Der Berg ist hoch.

Unlängst absolvierte ich meine gemütliche Runde im „Own-Zone-Bereich“, da lachte mich bei Kilometer Fünf eine aparte Grünfläche mit zwei Parkbänken an. Ach, dachte ich, da findest du jetzt einen Moment zu dir selbst, und ließ mich auf einer der beiden Bänke nieder.

Die Schaukel, das Klettergerüst und die Wippe störten mich nicht. Auch nicht die beiden kleinen, gar niedlich anzusehenden Kinder, welche friedlich nebeneinander im Sandkasten spielten. Vier Jahre alt mochten sie sein, vielleicht auch fünf.

Ein Mädchen, blond gelockt wie ein Engel. Ein Junge, frecher Haarschnitt, kecke Nase, blaue Latzhose und rotes Halstuch. Niedlich! Sie häuften Sand auf, gruben Löcher, häuften Sand auf und gruben Löcher. Hach, Kinder! Meine Tochter ist schon so groß.

Das Leben ist einfach und schön.

Ihre Mütter saßen auf der anderen Parkbank nebeneinander, still und im Anblick auf ihre Nachkommenschaft vertieft. Die blonde, dauergewellte, etwas fülligere Dame gehörte dem Äußeren nach wohl zu dem kleinen Engelchen.

Die rothaarige Mittdreißigerin wahrscheinlich zu dem Jungen. Soweit ich erkennen konnte, hatte sie die Augen geschlossen. Wahrscheinlich war sie vor lauter Entspannung eingenickt. Das Leben ist einfach und schön.

Es war ein Idyll der Ruhe und Entspannung. Genau das brauchte ich jetzt. Der Lauf hatte mich doch etwas erschöpft. Die Sonne kam heraus. Ich schloss meine Augen und döste gelöst vor mich hin.

„Meine Schaufel, du Loch!“ Ich öffnete ein Auge.

„Nein, die rote ist doch meine. Dir ist die gelbe“, sagte der kleine Junge kleinlaut und zeigte auf eine gelbe Schaufel, die einsam im Sand lag.

„Piss dich, du Arsch!“

Ich öffnete das andere Auge. Kamen diese unflätigen Worte von dem putzigen Mädchen?

Blauäugig, blondgelockt und rosige Bäckchen? Mein Blick erhaschte Unfassbares. Die kleine Süße hatte sich in eine Furie verwandelt.

Hasserfüllt schaute sie den Jungen an; die blonde Mähne hing ihr wirr ins vor Wut gerötete Gesicht, während sie fleißig dabei war, ihrem Gegenspieler etwas Rotes aus den Händen zu reißen.

Mit Erfolg. Doch damit war dem noch kein Ende gesetzt. Das Herzchen begann, wild mit der Schaufel auf den Jungen einzudreschen. Der wiederum versuchte erfolglos, sich zu wehren.

Ich lass mich nicht aus der Ruhe bringen.

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft und übte mich in Gelassenheit. Kinder, dachte ich.

Jaja, die Mama wird das schon regeln und helfend einspringen.

Ich beschloss, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und senkte meine Lider wieder hinab.

„Naomi“, ertönte es donnerschlaglaut von nebenan, „lass den verdammten Balg in Ruh-´.“

Mein Idyll verabschiedete sich und ging schon mal heim.

Die kleine Blonde hatte jedoch nicht die Absicht, aufzuhören. Nun folgte eine etwas massivere, gar dröhnende Aufforderung: “Naomi Schwöbel, här soford uff oder isch knall dir äni!”

Erziehung wird hier über Zuruf geregelt.

Offenbar regelt man hier die Erziehung über Zuruf. Die Dame dachte nämlich nicht daran, aufzustehen, lehnte sich zurück und zündete sich erst einmal eine Zigarette an.

In diesem Moment wachte wohl ihre Banknachbarin auf, erkannte die prekäre Situation sofort und eilte zu ihrem Sohn.

Löckchen hieb immer noch auf den Kleinen ein und schrie dabei wiederholt: „Meine Schaufel. Meine Schaufel.“

Die Mutter des Jungen nahm dem kleinen Biest die Schaufel weg und zog ihren Sohn aus der Gefahrenzone. Während sie ihrem Sprössling den Sand aus dem Mund pulte, wandte sie sich halb zu Mutter Schwöbel um und sagte folgende Worte: „Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn mein Lars-Olaf weiterhin mit ihrer Tochter spielt.“

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft. Zu erschöpft, um mich zu erheben. Vielleicht aber auch zu neugierig, um zu gehen. Es versprach, interessant zu werden.

Mama Schwöbel wurde verdächtig rot im Gesicht und stürzte sich gleich darauf mit Kriegsgeheul auf Lars-Olafs Erziehungsberechtigte. Diese ließ überrumpelt die Schaufel fallen und von ihrem Kind ab. Die kleine blonde Bratze saß im Sand und schrie nach ihrer roten Schaufel.

Das war ein Gewusel und Gemenge vor dem Herrn. Irgendwann hatte Engelchen die rote Schaufel wieder und Lars-Olaf saß gefesselt und geknebelt auf der Wippe. Die alte Schwöbel kniete auf der Rothaarigen und war gerade dabei, deren Aufbegehren mit Sand zu ersticken. Sie nahm dazu die gelbe Schaufel. Die rote hatte ja ihre Tochter.

Nun, ich war immer noch sehr erschöpft. Voller Vertrauen auf die Vernunft und Weitsicht erwachsener Menschen, atmete ich tief durch. Der Berg ist hoch. Übe Gelassenheit.

Jemand musste wohl die Polizei gerufen haben. Ich hörte das typische Sirenengeheul. Aber da war ich schon längst zu Hause.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen über den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos überzogen. Es sind keine “journalistischen” Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: “Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen” – Konrad Adenauer. Und: “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren” – Bertolt Brecht . Wir begrüßen sie herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir wünschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

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Mariettas Kolumne: Vom “Isch mähn doch nur-€ und “So isser halt, de Dieter!-€


Guten Tag!

Weinheim, 24. Januar 2011. Marietta ist noch jung und unerfahren, als sie mit ihrem zukünftigen Mann die erste Wohnung beziehen will. Dort wird sie mit Dieter konfrontiert, ihrem heutigen Schwiegervater, und es wird eine ganz besondere Begegnung. Lesen Sie selbst.

Von Marietta Herzberger

Kennen Sie Heinz Beckers „Ich saans jo nur-€¦“?
Die entnervten Antworten seines Sohnes Stefan: „Jooo, Vadder!“ und Hildes resigniertes „Ach, Heinz, des kansch doch so net-€¦“?

Ist Ihnen Knallinger-´s „Ja, guten Tach, ich häb do mol ä Froog-€¦.“, nicht ganz unbekannt?
Dann kennen Sie möglicherweise auch Dieter. Wenn nicht, dann stellen Sie sich eine ungewollt komische Mischung der beiden vor und Sie haben ihn vor Augen.

Heiner Knalliger war gestern. Ebenso Gerd Dudenhöfer alias Heinz Becker. Denn es gibt Dieter. Aber das wissen nur wenige Auserwählte. Beispielsweise ich, mein Mann, dessen Familie, sowie wenige eingeweihte Freunde, denen ich gelegentlich mein Leid klage.

Jetzt kommt Dieter – mein Schwiegervater!

Jetzt kommt Dieter: Der Vater meines Mannes, Großvater unserer Tochter. Mein Schwiegervater!

Dieter ist der verbal zerstörende Faktor jeder Familienzusammenkunft und der Alptraum eines jeden Telefongespräches. Dieter ist nicht nur Brillen-, sondern auch Bedenkenträger und sieht überall die Saat des Bösen. Dieter ist der evolutionstechnisch gescheiterte Versuch, aus Knallinger und Dudenhöfer einen Mordsbrüller entstehen zu lassen.

Da bleibt nur noch Sabbatical oder Valium!

Meine Geschichte mit Dieter beginnt vor ungefähr fünfzehn Jahren. Mein Freund – heutiger Ehemann – und ich bezogen stolz unsere erste, total verfallene Wohnung. Seine Eltern erklärten sich bereit, uns bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten zu helfen.

Damals freute ich mich noch – über die segensreiche Hilfe. Mit dem heutigen Wissen allerdings würde ich mir ein dreimonatiges Sabbatical nehmen, um die Bude auf Vordermann zu bringen; Alternativ zwei: Valium einwerfen.

Ach, was waren wir stolz auf unser erstes Domizil. Klein, ein wenig Schimmel hier und da. Mit zugigen Holzfenstern und modrigem Keller, aber unser. Wie schön!

Der Profi bei der Arbeit: Der guude Tipp.

Dieter schlich bei der Erstbesichtigung mit Mundschutz und Werkzeugkoffer im Anschlag durch jedes Zimmer, klopfte die Wände ab, rubbelte an den Aufputz-Rohren, wischte, trat, saugte und blies. Sein Weib Traudl folgte ihm wortlos mit bedeutungsschwerer Miene.

Weise und erfahren grummelte er wiederholt unter dem Rand seiner schwarzgeränderten Brille „Hm, Hm, oh je, ach Gott nää…“, wobei er seine Augenbrauen abwechselnd hoch- und zusammenzog.

Ich warf einen irritierten Blick zu meinem Mann „Was soll das?“ Er antwortete mit mürbem Gesichtsausdruck: „Das macht er immer so.“

Dann kam der Moment, in dem ich zum ersten Mal die Worte vernahm, die mir den Rest meines Schwiegertochterlebens in regelmäßigen Abständen begegnen sollten:
„Horsche mol zu-€¦.!“ Dann folgt eine bedeutungsschwangere Pause: „Wenn ich eisch mol-´n guuude Tipp gewwe derf-€¦“

Dieter stand vor uns, ich hing ahnungslos und wissbegierig an seinen Lippen, während er mahnend seinen Zeigefinger vor unsere Nasen hob: „Isch hädd des net gemacht, mit dere Wohnung do. Also, des iss jo-´n hauffe Ärwed. Ihr wissd gar net, wasser eisch domit aduht!“

Kopfschüttelnd wandte er sich ab, zog seinen Mundschutz herunter und murmelte scheinbar fassungslos so etwas wie „Was des koscht! Nää, nää.“

Restlos verschuldet bis ans Lebensende?

Unverzüglich wollte ich ein Stockwerk tiefer zum Vermieter stürzen, um den Mietvertrag rückgängig zu machen. Wie konnten wir nur so blind sein. Hätten wir doch vorher-€¦ Wenn wir eher den Dieter gefragt hätten. Wenn, wenn, wenn-€¦

Was sollten wir jetzt tun? Verschulden würden wir uns! Restlos! Bis an unser Lebensende würde die poröse Badewanne des Nachts unsere Träume heimsuchen und vorwurfsvoll die Ein-Hebel-Mischgarnitur schwenken. Täglich würden wir uns bei kargem Frühstück, Wasser und Brot, gegenseitig anklagen: „Ach, hätten wir doch Dieter gefragt!“

Blödsinn. Ich war nicht bereit, mir “unser” kaputter machen zu lassen, als es war. Gerade wollte ich zum Sprung ansetzen, da riss mich die beschwichtigende, jedoch leicht genervte Stimme meines Mannes jäh zurück: „Mensch, Vadder!“

“So schlimm isses doch net.“

Dann vernahm ich die eher zurückhaltende Wortmeldung meiner zukünftigen Schwiegermutter: „Ach Dieter, komm. So schlimm isses doch net.“

Wie? So schlimm ist es gar nicht? Mein gequälter Blick prallte an der männlichen Präsenz meines Schwiegervaters ab, der unerwartet ausdruckslos den Mundschutz wieder hochzog, den Werkzeugkoffer absetzte, ihn öffnete und dabei nuschelte: “Isch mähn jo nur-€¦“

Gehetzt sah ich zu meinem Mann hinüber, der erst die Augen verdrehte und mir dann zuzwinkerte. „Alles halb so schlimm, lass dich nicht verunsichern“, sagte mir seine Geste. „Okay-€¦ Verstanden”, sagte ich.

Traudl begann, Fenster zu putzen. Es kam mir zu dem Zeitpunkt nicht in den Sinn, sie zu fragen, warum sie das tat, wenn doch erst die Tapeten herunter mussten. Ich war jung und unwissend. Wahrscheinlich müssen Mütter das tun, sagte ich mir. Erst einmal Fenster putzen. Dann sieht man “weiter”. Irgendwie.

Dieter war unterdessen dabei, irgendwo ein Loch hineinzubohren. Wahrscheinlich wollte er testen, ob das Fundament das aushalten oder gleich alles einstürzen würde. Mein Mann pulte Tapeten ab. Ich beschloss, die Situation nun auch für mich zu entschärfen und tat es ihm gleich.

„Sind wir hier in den 50er Jahren?!“

Dann kam Dieter auf mich zu, drückte mir Schippe und Besen in die Hände und fuchtelte wild mit dem Zeigefinger in Richtung frisch gebohrtes Loch: „Do, mache mol Fraueärwed. Mach des mol weg do.“

Und schon bohrte er an anderer Stelle männlich qualifiziert weiter.

Da stand ich nun mit Schippe und Besen – ich Frau – und fing an zu hyperventilieren. Mein Mann ließ alle Tapetenreste aus seinen Händen fallen und hechtete auf mich zu. Er kannte mich schon verdammt gut. Traudl erstarrte mitten in ihrer schwungvollen Fensterpolieraktion und schaute blutleer zu mir herüber.

Doch es war zu spät. Der Schaum stand mir bereits in den Mundwinkeln, meine Hände zuckten unkontrolliert und die Schippe hielt sich verzweifelt an meinem Finger fest.
„Sind wir hier in den 50er Jahren?!“, bläffte ich barsch: „Mach doch deinen Dreck selber weg!“

„So isser halt, de Dieter!“

„Ganz ruhig…,“ tröstend und gleichzeitig nervös nahm mein Mann mich in den Arm, während er mir vorsichtig den Besen aus den verkrampften Fingern löste.

Traudl stellte sich schützend vor ihren Ernährer, Vater ihres einzigen Sohnes, und versuchte, die Situation zu retten. Verlegenen Blickes und sichtlich peinlich berührt sagte sie diesen Satz, den ich in Zukunft noch öfter hören durfte: „Ach, der Dieter meint das doch nicht so.“

Der bohrt weiter Löcher in die Wand und murmelt: “Isch mähn doch nur-€¦.“

Entschuldigendes Schulterzucken in unsere Richtung von Traudl: „So isser halt, de Dieter!“

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen über den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos überzogen. Es sind keine “journalistischen” Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: “Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen” – Konrad Adenauer. Und: “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren” – Bertolt Brecht . Wir begrüßen sie herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir wünschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!