Sonntag, 27. November 2011 (22:42 Uhr)

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Weinheim wird wiederbelebt

Sieben Sparkassen-Filialen mit portablen Defibrillatoren ausgestattet

Oberbürgermeister Heiner Bernhard im Einsatz: Herzmassage am Dummy.

Weinheim, 24. November 2011. (red/mh) Ein Defibrillator hätte den tragischen Tod des „Pony-Manns“ vor einem Jahr verhindert können. Seit kurzem gibt es in den Bankautomatenbereichen der Weinheimer Sparkassen sprachgesteuerte Schockgeber. Ein Jahr zu spät für den „Pony-Mann“, der kurz vor Weihnachten 2010 einen Kreislaufstillstand erlitt und noch vor Ort verstarb. Künftig soll Menschen mit einem Herzkreislaufstillstand schnell geholfen werden können.

Von Martin Heilmann

Dem Mann in der Fußgängerzone in Weinheim ist schwindelig. Ein stechender Schmerz fährt ihm durch die Brust. Ihm wird schwarz vor Augen. Er geht zu Boden und wird ohnmächtig. Sein Kreislauf bricht zusammen. Menschen eilen herbei. Helfen. Alarmieren Rettungskräfte. Sie führen wiederbelebende Herzmassagen und Beatmung durch. Die Zeit ist knapp. Der Mann ringt mit dem Leben. Der Notarzt trifft ein und hat einen Defibrillator dabei. Das Gerät kommt zum Einsatz. Der elektrische Impuls wird ausgelöst. Einmal. Zweimal. Ein drittes Mal. Zu spät. Der Mann ist tot.

Das besonders tragische an dem Tod des „Pony-Manns“ vor rund einem Jahr: Es gab einen für jedermann zugänglichen Defibrillator wenige Meter entfernt im Bürgerbüro Weinheim. Aber niemand wusste das. Weiterlesen…

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Die Weststadt ist auf Augenhöhe

Stimmungsvolle Feier zum 75-jährigen Bestehen des Stadtteils – Landesehrung für Siedlergemeinschaft

OB Bernhard beim Festabend zum 75-jährigen Bestehen der Weststadt.

Guten Tag!

Weinheim, 17. November 2011. (red/pm) Feierliches Jubiläum zum 75-jährigen Bestehen des Weinheimer Stadtteils Weststadt. Die Siedlergemeinschaft bekam die Goldene Ehrenurkunde überreicht.

Information der Stadt Weinheim:

“Als modern aufgestellten Stadtteil mit eigener Identität und hoher Lebensqualität hat Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard jetzt die Weinheimer Weststadt gewürdigt. Der Rathauschef war Gastgeber und Hauptredner bei der Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen des größten Weinheimer Stadtteils im Rolf-Engelbrecht-Haus. „Aufgeschaut zur Innenstadt, also jenem Teil Weinheims, der oberhalb der Bahnschienen liegt“, fasste Bernhard zusammen, „wird höchstens noch aus rein topographischen Gründen, ansonsten befindet man sich längst auf Augenhöhe“.

OB Bernhard verwies auf das historisch richtige Datum, in diesem November das Weststadt-Jubiläum zu feiern. Denn es war im Oktober und November 1936, also fast exakt vor 75 Jahren, als die Siedlung in Weinheim entstanden ist. Die Siedlung sei nicht nur die Keimzelle und der Mittelpunkt der Weinheimer Weststadt, so der OB, sie sei damals auch die erste geordnete Besiedlung des Weinheimer Westens gewesen.

Goldene Ehrenurkunde für 75-jähriges Bestehen

Die Siedlergemeinschaft, die daher genauso alt ist wie die Siedlung selbst, bekam vom Landesverband die Goldene Ehrenurkunde für 75-jähriges Bestehen überreicht. Vorsitzender Reinhold Kreckel nahm die Urkunde aus den Händen von Charlotte Günther, Mitglied des Landesvorstandes, entgegen.

Es sei eine historische Tatsache, so Heiner Bernhard, dass die „Dietrich-Eckart-Siedlung“ zu dieser Zeit aus dem nationalsozialistischen Siedlungsgedanken erwachsen war. Er betonte: „Es wäre aber völlig falsch, aus dieser historischen Tatsache heraus, die Siedler der ersten Stunde in die Nähe nationalsozialistischen Gedankengutes zu rücken. In den meisten Fällen war es gerade umgekehrt.“ Nach dem Krieg, als die Weststadt zu wachsen begann, wurde die Siedlergemeinschaft zum Aktivposten des sozialen Lebens und des sich aufbauenden Gemeinwesens, bescheinigte das Stadtoberhaupt. Außerordentlich aufrechte Demokraten seien daraus erwachsen und haben Weinheim zunehmend politisch gestaltet. Der OB nannte Paul Vollrath, vor allem aber Ehrenbürger Wolfgang Daffinger, der selbst am Abend anwesend war und ein Grußwort an die Festgäste richtete.

Der OB skizzierte das Wachstum des Weinheimer Westens in Stichworten: 1949 siedelte sich am Händelknoten das erste Unternehmen an. In den 50er Jahren begann die Bebauung südlich der OEG-Schienen und nach Norden in Richtung B 38 – die stark wachsende Bevölkerung wurde in Weinheims Westen aufgenommen.

“Banane – fast ein Denkmal aus einer vergangenen Zeit”

Bernhard: „So war es nur eine logische Konsequenz, dass Weinheim im Jahre 1956 zur Großen Kreisstadt erhoben worden ist. Ohne die Ausdehnung in den Westen wäre das wohl nicht geschehen.“ Das Wachstum war lange rasant und ungebremst, 1963 wurde mit der Kuhweide-Siedlung begonnen, 1971 die berühmte „Banane“ mit 17 Stockwerken gebaut – „heute fast ein Denkmal aus einer vergangenen Zeit“, so das Stadtoberhaupt.

1950 und 1957 entstanden zunächst die Johann-Sebastian-Bach-Schule, dann die Albert Schweitzer-Schule. Heiner Bernhard ging auch auf die Entwicklung der Multschule ein, die vor 40 Jahren als Modellschule des Landes den Schulstandort Weinheim im ganzen Land bekannt gemacht hat, hin zum heutigen Dietrich-Bonhoeffer-Schulverbund. Und er erinnerte daran, dass seinerzeit Pädagogen wegen dieser Modellschule nach Weinheim geradezu gepilgert sind.

Der OB würdigte auch die Rolle des Vereins „Pro West Weinheim“ in den letzten vier Jahren seit seiner Gründung. „Ohne das Engagement des Weststadtvereins würden wir heute dieses Fest nicht feiern, zumindest nicht so, wie wir es heute tun“, bescheinigte der OB. Der Weststadt-Verein war auch für die Organisaton des Abends zuständig. Vorsitzende Stella Kirgiane-Efremidis überreichte dem Oberbürgermeister das erste Exemplar der Festschrift und symbolisch die Druckplatte des Buchumschlags.”

Einen schönen Tag wünscht
Das weinheimblog

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Regierungspräsidium: Bürgerbegehren “Breitwiesen” vermutlich nicht zulässig

Erstaunlich: Verschiedene Gemeinderäte behaupten, der OB hätte sie unter Druck gesetzt - die 130 Zuschauer der Sitzung scheinen die Stadträte nicht bemerkt zu haben.

Guten Tag!

Weinheim/Karlsruhe, 15. November 2011. Schlechte Nachrichten für die Initiatoren des Bürgerbegehrens “Schützt die Weinheimer Breitwiesen”: Auf Anfrage zeigte sich das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde skeptisch, ob das Bürgerbegehren gesetzlich noch möglich ist.

Von Hardy Prothmann

Zwischen 1.100 und 1.500 Unterschriften sind durch die Initiative schon gesammelt worden – für eine genaue Angabe fehlt noch die Prüfung, die am Wochenende erfolgen soll, sagt Elisabeth Kramer, Stadträtin der GAL und einer der Mitinitiatorinnen des Bürgerbegehrens. Das macht Mühe, aber das Engagement der Gegner der Breitwiesen-Bebauung ist sehr hoch.

Weinheim=Rheinstetten?

Vielleicht ist die ganze Mühe umsonst – denn die Aufsichtsbehörde, das Regierungspräsidium Karlsruhe, zeigt sich auf unsere Nachfrage skeptisch, wie uns ein Sprecher mitteilt: Weiterlesen…

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Bürgermeister-Umfrage: Was bedeutet Stuttgart 21 fürs “Wohl und Wehe” der Gemeinden?

Unsere Animation zeigt, was man wählt, wenn man mit "Ja" oder "Nein" stimmt. Unsere Umfrage dokumentiert, wie die Bürgermeister zum Thema stehen. Animation: Christian Mühlbauer

Rhein-Neckar/Wahlkreis Weinheim, 14. November 2011. Das Streitthema um Stuttgart 21 wird am 27. November 2011 mit einem Ja oder Nein entschieden. Im Vorfeld warnen die Gegner vor den Folgen von Stuttgart 21 für die Region, wenn das Projekt weiter vorangetrieben wird. Die Befürworter warnen vor den Folgen, wenn es nicht weiter vorangetrieben wird. Es geht also ums “Wohl und Wehe” – auch für die Gemeinden in Nordbaden. Dazu haben wir die Bürgermeister im Wahlkreis 29/Weinheim befragt, wie diese zu Stuttgart 21 stehen. Die teils überraschenden Antworten lesen Sie in unserer Dokumentation. Weiterlesen…

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Der Widerstand gegen die Breitwiesen-Bebauung geht weiter – Gegner planen “kassierendes” Bürgerbegehren – die Zeit tickt


Darum gehts: Links in rot liegt das Gewann Breitwiesen. Hier soll Amazon ein riesiges Logistikzentrum planen. Rechts daneben liegt das Gewann Hammelsbrunnen, dessen Flächentausch der Gemeinderat am 19. Oktober 2011 beschlossen hatte. Bild: blogspot.breitwiesen.com

Weinheim, 04. November 2011. (red) Am 19. Oktober 2011 hat der Gemeinderat mehrheitlich den Flächentausch Hammelsbrunnen-Breitwiesen beschlossen. Die Gegner der Bebauung lassen nicht locker und haben nun ein Bürgerbegehren gestartet. Eine schwierige Aufgabe. Zudem ist unklar, ob überhaupt ein Bürgerbegehren möglich ist – spannend wird hierzu die Haltung der Verwaltung sein. Sie müssen innerhalb von sechs Wochen nach Bekanntgabe des Beschlusses genau 2.500 Stimmen sammeln. Es gibt viele Gerüchte – hier sind die Fakten.

Auf einer Pressekonferenz am Freitagmorgen gaben die Vorsitzenden des Bauernverbands, Fritz Pfrang und Karl Bär, sowie die Stadträtinnen Elisabeth Kramer (GAL) und Susanne Tröscher (CDU) und der Stadtrat und Landtagsabgeordnete Uli Sckerl (Bündnis90/Die Grünen) ihre Entscheidung bekannt.

Der Text des Bürgerbegehrens lautet:

Bürgerbegehren “Schützt die Weinheimer Breitwiesen“
Antrag:
Die Unterzeichnenden beantragen einen Bürgerentscheid über die Frage:
Sind Sie dafür, dass im Bereich „Breitwiesen“ die Ausweisung von Gewerbeflächen unterbleibt?
Begründung:
Der Gemeinderat der Stadt Weinheim hat sich am 19. Oktober 2011 für eine Änderung des Flächennutzungsplans ausgesprochen. Dadurch sollen im Bereich „Breitwiesen“ im Wege der Verschiebung von Gewerbeflächen wertvolle landwirtschaftliche Anbauflächen in Baugelände für gewerbliche Ansiedlungen umgewandelt werden. Die Entscheidung hat erhebliche Auswirkungen auf die städtebauliche Entwicklung, auf Stadtbild, Umwelt und Klima sowie für die Zukunft unserer Landwirte. Wegen dieser erheblichen Bedeutung soll die Entscheidung mittels eines Bürgerentscheids von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Weinheim getroffen werden.
Kostendeckung gem. § 21 Abs. 3 Satz 4 GemO: entfällt. Die Unterzeichnenden berechtigen die unten genannten Vertrauenspersonen, das benannte Bürgerbegehren zu vertreten und im Falle eines Kompromisses zurückzunehmen oder abzuändern, soweit dies für die Zulässigkeit erforderlich ist. Des Weiteren werden alle zukünftigen Unterzeichner des Bürgerbegehrens berechtigt, die auf dieser Liste bereits eingeschriebenen Daten einzusehen.

Das Bündnis gegen die Breitwiesen-Bebauung ist also überparteilich besetzt und wird von den Juristinnen Ingrid Hagenbruch und Andrea Reister unterstützt (bekannt aus dem “Bündnis für Weinheim”).

In einer ersten Unterschriftenaktion hatten die Breitwiesen-Gegner bereits knapp 2.000 Unterschriften als Protestnote gesammelt. Diese gelten nicht mehr – die erforderlichen 2.500 Unterschriften müssen neu auf den Listen zum Bürgerbegehren geleistet werden.

Sollte dies gelingen, kommt das Bürgerbegehren als Tagesordnungspunkt in den Gemeinderat. Der entscheidet über die Zulässigkeit. Wird diese bestätigt folgt ein Bürgerentscheid, bei dem 25 Prozent der wahlberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner ihre Stimme abgeben müssen. Ist dies der Fall, entscheidet die jeweilige Mehrheit über das Ergebnis auf eine “Ja/Nein”-Frage. Wird die Mehrheit nicht erreicht, trifft der Gemeinderat die letztgültige Entscheidung.

Überschrift der Unterschriftenliste für das Bürgerbegehren gegen die Breitwiesen-Bebauung

Fraglich ist, ob das Bürgerbegehren zulässig ist. Würde es es sich um einen “klassischen” Aufstellungsbeschluss handeln, wäre die Frage entschieden. Gegen einen solchen kann nach Auffassung des VGH Mannheim (Urteil “Rheinstetten”) nach der Gesetzeslage kein Bürgerbegehren und auch kein Bürgerentscheid stattfinden.

Hier gilt eine so genannte “Negativliste”.

§ 21 Bürgerentscheid, Bürgerbegehren
(1) Der Gemeinderat kann mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen aller Mitglieder beschließen, dass eine Angelegenheit des Wirkungskreises der Gemeinde, für die der Gemeinderat zuständig ist, der Entscheidung der Bürger unterstellt wird (Bürgerentscheid).

(2) Ein Bürgerentscheid findet nicht statt über

1. Weisungsaufgaben und Angelegenheiten, die kraft Gesetzes dem Bürgermeister obliegen,
2. Fragen der inneren Organisation der Gemeindeverwaltung,
3. die Rechtsverhältnisse der Gemeinderäte, des Bürgermeisters und der Gemeindebediensteten,
4. die Haushaltssatzung einschließlich der Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe sowie die Kommunalabgaben, Tarife und Entgelte,
5. die Feststellung des Jahresabschlusses und des Gesamtabschlusses der Gemeinde und der Jahresabschlüsse der Eigenbetriebe,
6. Bauleitpläne und örtliche Bauvorschriften sowie über
7. Entscheidungen in Rechtsmittelverfahren.

Man darf gespannt auf die Haltung von Oberbürgermeister Heiner Bernhard sein. Der hatte die Unterschriftenleister als “schlecht informierte Bürger” betitelt, die “gar nicht gewusst haben, was sie da unterschreiben” – aus Sicht der Gegner eine “Unerhörtheit”, wie Elisabeth Kramer betont.

Sicherlich wird rechtlich von der Stadt geprüft werden, ob der “Aufstellungsbeschluss” zu einer Änderung des Flächennutzungsplans gleichbedeutend mit einer “Bauleitplanung” ist. In der Zusammenfassung nennt die Stadt den Beschluss “Aufstellungsverfahren” und stellt den Sachverhalt so dar:

4. 8. Änderung des Flächennutzungsplans zur Vollziehung einer flächengleichen
Verschiebung gewerblicher Bauflächen vom Gewann „Hammelsbrunnen“ am
Kreiskrankenhaus in das Gewann „Breitwiesen“ nordöstlich des Autobahnkreuzes
Weinheim
hier: Aufstellungsbeschluss
Der Gemeinderat beschließt mehrheitlich:
Für die in der Anlage der Sitzungsvorlage gekennzeichneten Bereiche im Gewann „Hammelsbrunnen“ zwischen B 38, Westtangente und Mannheimer Straße sowie im Gewann „Breitwiesen“ nordöstlich des Autobahnkreuzes Weinheim und südlich des Brunnwegs wird die Aufstellung der 8. Änderung des Flächennutzungsplans für den Bereich „Hammelsbrunnen / Breitwiesen“ beschlossen. Ziel der Planung ist eine Verschiebung der gewerblichen Bauflächen vom Gewann „Hammelsbrunnen“ in das Gewann „Breitwiesen“. Eine sich aus städtebaulichen Erfordernissen ergebende Anpassung des des räumlichen Umgriffs der Flächennutzungsplanänderung bleibt vorbehalten.

Noch hat die Natur die Breitwiesen in der Hand - künftig soll hier ein riesiges Logistikzentrum für Amazon.de entstehen. Bild: breitwiesen.blogspot.com

Sollte die Stadt die Auffassung vertreten, dass es sich auch hierbei um einen “bauleitplanerischen” Aufstellungsbeschluss handelt, würde es brenzlig für Oberbürgermeister Heiner Bernhard. Der hatte mehrmals gegenüber dem Gemeinderat klar betont : “Durch diesen Beschluss ist noch gar nichts entschieden.” Sollte dem nicht so sein, wäre das eine glatte Lüge in aller Öffentlichkeit gewesen.

Fest steht, dass der OB den Flächentausch unter Druck durchbekommen wollte – eine mehr als fragwürdige Entscheidung.

Die Bürgerinitiative jedenfalls gibt sich entschlossen und klagebereit: “Rheinstetten ist ein anderer Fall, sagen unsere juristischen Berater. Wir sind guter Hoffnung, dass wir mit einer Klage durchkommen. Aber darum geht es jetzt nicht – sondern um 2.500 Stimmen für ein Bürgerbegehren. Das ist ein demokratisches Verfahren und wir sind sehr gespannt, wie die Verwaltung darauf reagiert”, sagte Elisabeth Kramer auf unsere Anfrage hin.

Eine erste Stellungnahme kam sehr flott kurz vor 13:00 Uhr:

“Die Stadtverwaltung Weinheim respektiert selbstverständlich die Bemühungen, über ein Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Ein solcher Weg ist ja ausdrücklich in der Gemeindeordnung vorgesehen und daher auch das gute Recht jedes Bürgers. Da die Zulassung eines solchen Bürgerentscheides im Gesetz genau geregelt ist, wird es die Aufgabe der Stadtverwaltung sein, diese Kriterien auch genau zu prüfen. Das kann aber erst geschehen, wenn das Bürgerbegehren vorliegt, bzw. wenn die erforderliche Zahl von Unterschriften erreicht ist.”

Unverständlich ist, wieso die Initiatoren sich selbst angesichts der in der Verfassung genannten sehr kurzen Frist von sechs Wochen selbst beschränken:

” richtet es sich gegen einen Beschluss des Gemeinderats, muss es innerhalb von sechs Wochen nach der Bekanntgabe des Beschlusses eingereicht sein. “

Sechs Wochen sind genau sechs Wochen. Kein Tag mehr, keiner weniger. Das ist die Frist, die gilt, bis zum Ablauftag 24:oo Uhr nachts. Der Beschluss wurde am 19. Oktober gefasst. Wäre er am 20. Oktober 2011 verkündet worden, wäre das der “Starttag” laut “Bekanntmachungssatzung” der Stadt Weinheim:

Ҥ 1
Form der öffentlichen Bekanntmachungen
1. Öffentliche Bekanntmachungen der Stadt Weinheim ergehen, soweit gesetzliche Vorschriften nichts anderes bestimmen, durch einmaliges Einrücken des vollen Wortlautes der Bekanntmachungen in den „Weinheimer Nachrichten“.
2. Als Tag der Bekanntmachung gilt der jeweilige Ausgabetag der „Weinheimer Nachrichten“.”

Der “Zieltag” wäre demnach Donnerstag, der 1. Dezember 2011, 24 Uhr nachts. Die Initiatoren rufen aber zur Stimmabgabe bis zum 28. November 2011 auf und “verschenken” damit volle drei Tage der insgesamt sehr kurzen Frist.

Nach unserer vorläufigen Recherche ist der Beschluss noch nicht veröffentlicht worden. Dies konnten wir aber nur nicht gesichert feststellen – sobald wir genaue Kenntnis einer eventuell bereits vorgenommenen Veröffentlichung haben, korrigieren wir diese Stelle. Sollte es zutreffen, dass es noch keine Veröffentlichung gegeben hat, würde die Frist mindestens bis 17. Dezember 2011 laufen.

Dem Weinheimblog.de gegenüber bestätigte Oberbürgermeister Heiner Bernhard vor kurzem, dass das amerikanische Versandhaus Amazon.de Interesse angemeldet habe. Die Rede ist von einem 20 Hektar großen Logistikzentrum.

Durch den Flächentausch würden im Gewann Breitwiesen rund 42,5 Hektor Gewerbegebiet entstehen können. Die Landwirte um Fritz Pfrang und Karl Bär geben sich kämpferisch: Rund 7,8 Hektar verstreutes Gelände im Gewann gehört Bauern, die angeblich nicht verkaufen wollen. Das dautet auf eine schwierige und lange Auseinandersetzung hin.

Unsere Anfrage bei Amazon und eine Gesprächsbitte vom 25. Oktober 2011, beantwortete die Pressestelle heute, elf Tage später, spartanisch kurz:

“Amazon hat zu diesem Thema keinerlei Veröffentlichung vorgenommen, daher kann ich Sie hier leider nicht unterstützen. Wir bitten um Verständnis, dass wir zu Spekulationen keine Stellung nehmen.”

Spekuliert wird unter anderem auch, ob Amazon eventuell Interesse an dem unter großem Widerstand mittlerweile entwickelten Heddesheimer “Pfenning”-Gebiet haben könnte ( siehe aktuell 366 Artikel dazu auf dem heddesheimblog.de ).

Dort wurde 2009 die Planung für ein 20 Hektar großes Logistikgelände bekannt. Der Streit darum hat den Ort in zwei Lager gespalten. Versprochen wurden Arbeitsplätze und erhebliche Gewerbesteuerzahlungen. Im Herbst 2010 wurde der Bebauungsplan verabschiedet. Bislang gibt es allerdings keinerlei Anzeichen von Bauaktivitäten.

Im Gegensatz zu Weinheim hatten Heddesheimer Bauern und Bauernfamilien ihre Grundstücke dort klaglos- für 47 Euro/Quadratmeter an die “Phoenix 2010 GbR” der Viernheimer Unternehmer Karl-Martin Pfenning (“pfenning logistics”) und Johann Georg Adler (Immobilien) verkauft. Das Gelände soll laut Heddesheimer Landwirten “einer der besten Böden” sein.

Weitere Infos:

Die Initiative informiert auf einem Blog.

Der BUND auf seiner Homepage.

Unterschriftenlisten liegen hier aus:
Fritz Pfrang auf dem Bauernmarkt
Café Wolf am Rodensteiner Brunnen
Buchhandlung Hukelum am Rodensteiner Brunnen, Hauptstraße 21
Bauernhof Raffl / Törggelestube
Bauernladen Rauch, Bertleinsbrücke

Jeden Samstag vom 05. bis zum 26. November 2011 will die Initiative zudem an der Reiterin Unterschriften sammeln.

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Dokumentation: Die Rede des Fritz Pfrang gegen den Flächenfraß “Breitwiesen” – “Der Oberbürgermeister beleidigt die Bürger.”


Landwirt Fritz Pfrang (mitte) ist stinksauer - er und seine Kollegen wollen ihre Äcker nicht aufgeben. "Wir sind nicht bereit zu verkaufen. Wir bezichten bewusst auf ein einmaliges, vermeintlich lukratives Geschäft, weil der Schaden nicht zu verantworten wäre."

Guten Tag!

Weinheim, 20. Oktober 2011. (red) Die Weinheimer Bauern sind auf Konfrontation eingestellt. Sie wollen, so der Sprecher Fritz Pfrang gestern vor der Gemeinderatssitzung im Rolf-Engelbrecht-Haus, unter keinen Umständen ihre Äcker preisgeben. Immerhin 7,93 Hektar im Gewann Breitwiesen gehören den Bauern, also ein gewichtiger Teil von rund 18 Prozent der Fläche, die zum Gewerbegebiet werden soll. Was die Bauern fordern und weswegen sie das Land nicht preisgeben wollen, haben wir im ungeschnittenen Video dokumentiert.

23 Landwirte fuhren mit ihren Schleppern vor, die mit Schildern wie “Stoppt den Flächenfraß” ihren Protest zum Ausdruck gebracht haben. Kurz vor der Sitzung hilt der Sprecher der Weinheimer Landwirte, Fritz Pfrang, eine kämpferische Rede.

“Es wird der Stadtverwaltung nicht gelingen, die Herausgabe unseres Eigentums zu erzwingen.”

Einen schönen Tag wünscht
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100 Besucher bei GR-Sitzung – Mehrheit des Rats beschließt Änderung des Flächennutzungsplans


Demo der Landwirte bei der GR-Sitzung im Rolf-Engelbrecht-Haus - sie wollen das Gewerbegebiet "Breitwiesen" verhindern. Der Gemeinderat hat mit Dreiviertelmehrheit nach langer Sitzung für den Aufstellungsbeschluss zur Veränderung des Flächennutzungsplans gestimmt.

Guten Tag!

Weinheim, 19. Oktober 2011. (red) Bei der heutigen Gemeinderatssitzung im Rolf-Engelbrecht-Haus werden die Weichen für die Entwicklung des Gebiets “Breitwiesen” gestellt. Oberbürgermeister Heiner Bernhard und erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner werben für Breitwiesen, Grüne und Weinheim Plus sowie Linke wollen mehr Bürgerbeteiligung. CDU befürwortet Breitwiesen, Freie Wähler die Entwicklung eines großen Gebiets, wollen sich aber nicht auf Breitwiesen festlegen. Die SPD will Breitwiesen und sich um eine ordentliche Bezahlung der Arbeitsplätze kümmern. Die Grünen fordern unter großem Applaus des Publikums eine Bürgerbeteiligung. Die FDP ist ebenfalls für Breitwiesen. Weinheim Plus kritisiert die Eile, ist aber einverstanden, Hammelsbrunnen aufzugeben. Breitwiesen müsse aber nicht zwangsläufig kommen. Die Linke ist ebenfalls gegen die Entwicklung und fordert mehr Bürgerbeteiligung.

Nach fast vierstündiger Debatte hat sich die Mehrheit für den Antrag der Verwaltung ausgesprochen – damit wird es zu einer Veränderung des Flächennutzungplans kommen.

Aktuelle Berichterstattung bei Facebook – hier klicken.

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Dokumentation: Fast 2.000 Unterschriften gegen “Breitwiesen” – Stellungnahmen


Susanne Tröscher (CDU), Fritz Pfrang (Bauernverband), Elisabeth Kramer (GAL) bei ihrer Pressekonferenz zum Thema "Gewerbegebiet Breitwiesen" - im Anschluss haben die drei Gegner rund 2.000 gesammelte Unterschriften an OB Heiner Bernhard überreicht.

Weinheim, 19. Oktober 2011. Am Montag haben Gegner der Breitwiesen-Ansiedlung zunächst in einer Pressekonferenz Argumente vorgestellt und im Anschluss rund 2.000 Unterschriften gegen die geplante Ausweisung als Gewerbegebiet an den Oberbürgermeister Heiner Bernhard überreicht.

Die Stadträtinnen Elisabeth Kramer (GAL) und Susanne Tröscher (CDU) sowie der Landwirt und Vorsitzende des Bauernverbands Fritz Pfrang präsentierten am Montag bei einer Pressekonferenz ihre Argumente gegen die von der Stadtverwaltung angestrebte Entwicklung der “Breitwiesen” als Gewerbegebiet.

Fritz Pfrang bemängelte den Verlust von Ackerflächen und Zukunftsperspektiven für die verbliebenen 15 Vollerwerbsbauern. Frau Trescher bezeichnete die Planung als “Verrat an der Schöpfung”, Frau Kramer sieht trotz der Schuldenlast kein Argument für die Schaffung von Arbeitsplätzen “auf Teufel komm raus”: “Wir haben eine deutlich niedrige Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent in Weinheim.”

Im Anschluss an die Pressekonferenz übergaben die drei Gegner rund 2.000 Unterschriften an Oberbürgermeister Heiner Bernhard, der diese zur Kenntnis nahm und auf die Unterzeichner “beizeit” zugehen wolle. Die Unterschriften wurden innerhalb von gut fünf Wochen gesammelt.

Wir dokumentieren die Erklärungen während der Übergabe.

OB Heiner Bernhard

Stadträtin Elisabeth Kramer

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Veränderungen im Gemeinderat: Christa Ohligmacher und André Salazar Garcia scheiden aus, Ditmar Flothmann verpflichtet


Weinheim, 29. September 2011. (red) In der Gemeinderatssitzung vom Mittwoch, 29. September 2011, wurden die Stadträte Christa Ohligmacher und André Salazar Garcia aus ihrer Verpflichtung entlassen. Frau Ohligmacher (Freie Wähler) scheidet wegen Krankheit aus, Herr Garcia (FDP), weil er beruflich zu oft nicht in Weinheim ist. Neu verpflichtet wurde Ditmar Flothmann.

Dr. Ditmar Flothmann folgt auf Christa Oligmacher als Stadtrat der Freien Wähler. OB Bernhard hat in gestern verpflichtet.

Sowohl Verwaltung als auch Kollegen hatten von der schweren Erkrankung von Frau Ohligmacher erst nach der Sommerpause erfahren. Die Fraktionsvorsitzende Frau Ohligmacher gehörte dem Gemeinderat seit 1991 an. Ihr Stellvertreter Gerhard Mackert sagte: “Ihr Ausscheiden trifft uns schmerzlich. Sie war immer die Nummer eins innerhalb unserer Fraktion.” Er betonte auch den Erfolg bei den Bürgern: “Sie hat von uns allen immer die meisten Stimmen bekommen.” Wer den Fraktionsvorsitz übernimmt, entscheidet der Ortsverein in den kommenden Wochen. Die Fraktion hat das zweitbeste Ergebnis bei der Kommunalwahl erhalten und darf deshalb vor der SPD reden, beide Fraktionen haben neun Sitze. Stärkste Fraktion ist die CDU mit zwölf Sitzen.

Krankheitsbedingt nahm Frau Ohligmacher an der Sitzung nicht teil. Nach der Bestätigung der Entlassung wurde Herr Dr. Ditmar Flothmann von Oberbürgermeister Heiner Bernhard verpflichtet.

Gemeinderäte können nach der Gemeindeordnung bei schwerwiegenden Gründen um Entlassung aus dem Ehrenamt bitten. Krankheit ist solch ein Grund. Ebenso berufliche Verpflichtungen, die zu häufigem Fernbleiben von der Gemeinde führen.

Herzlicher Abschied des Stadtrats Garcia durch OB Bernhard.

Dies brachte Herr Garcia (FDP) als Entlassungsgrund vor. Der Gemeinderat nahm auch dies an. Für seinen Sitz muss noch ein Nachfolger gefunden werden. Der nach Wahlliste nächste Anwärter, Dr. Horst Guckert, hat angekündigt, bald aus Weinheim wegzuziehen, was zu einem Ausscheiden führen würde. Nun wird Tassilo Eckerle nach dem Wahlergebnis der Kommunalwahl von 2009 nächste Kandidat aufgefordert, das Amt anzunehmen. Nach unseren Informationen wird Herr Eckerle das Amt annehmen und voraussichtlich im Oktober verpflichtet.

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Inklusion: Erstmals werden behinderte Kinder gemeinsam mit nicht-behinderten Kindern eingeschult


Guten Tag!

Weinheim, 21. Juli 2011. (red/pm) In Weinheim werden im neuen Schuljahr erstmals behinderte Kinder gemeinsam mit nicht-behinderten Kindern eingeschult. Damit ist Weinheim als Bildungsregion eine Modellstadt in Baden-Württemberg. Der Gemeinderat der Stadt hat sich am Mittwoch (20. Jul. 2011) einstimmig für die so genannte Inklusion an zwei Grundschulen ausgesprochen.

Information der Stadt Weinheim:

“An beiden Schulen, der Friedrich-Grundschule und der Grundschule Lützelsachsen, sollen zunächst je vier behinderte Erstklässler eingeschult werden. Den Kindern steht eine Schulbegleitung und eine Pflege-Assistenz zur Verfügung.

Die Bildungsregion Weinheim beruft sich damit auf die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und auf den Koalitionsvertrag der baden-württembergischen Landesregierung. Bei der Inklusion ist die Stadt Weinheim Partner des Staatlichen Schulamtes Mannheim, dessen Gebiet als Schwerpunktregion für die Inklusion ausgewählt worden ist.

Vertreter der Fraktionen betonten die Richtigkeit der Entwicklung und der Idee der gemeinsamen Schule, die eine chancengleiche Teilhabe von Menschen mit Behinderung ermögliche.

Die Inklusion sei nicht nur für behinderte Kinder eine Chance, auch nicht-behinderte Schüler könnten verbessert soziale Kompetenzen erlangen. In der Bildungsregion Weinheim gibt es ein Netzwerk, das sich einer „Weinheimer Bildungskette“ widmet. Deren Motto lautet „Kein Kind darf verloren gehen“. Mit der Inklusion habe die Bildungskette ein weiteres wichtiges Glied hinzugewonnen. „Das ist ein gutes Zeichen in einer wichtigen Frage“, fasste Oberbürgermeister Heiner Bernhard zusammen.”

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S-Bahn: Gemeinderat stimmt Mehrkosten zu – Stadt muss mindestens 1,24 Millionen Euro für Bahnhofumbau zahlen


S-Bahn der Linie S1 in Mannheim. Archivbild. Quelle: wikipedia/LosHawlos

Guten Tag!

Weinheim, 20. Juli 2011. (red) So deutlich hat sich bislang kaum ein Gemeinderät über die skandalöse Kostenexplosion der Bahnhofsumbauten im Zuge des S-Bahn-Projekts geäußert: “Erpressung”, “Rotz”, “Schlamperei”, “dreist”, “unerhört”, “ärgerlich”. Im Gemeinderat gibt es heute “rund”. Man ist stinksauer auf die Deutsche Bahn und fühlt sich übervorteilt. Trotzdem stimmt die Mehrheit für die Kostenübernahme zum Ausbau des Bahnhofs.

Von Hardy Prothmann

“Und plötzlich heißt es, ihr kommt hier nicht mehr raus. Das wirkt wie Erpressung auf mich”, sagt Carsten Labudda (Die Linke) und bekommt sogar “Tischklopfapplaus” von der CDU und anderen Stadträten. “Wenn wir uns anschauen, wie die Bahn plant, sage ich nur Stuttgart21. Das ist eine Kostenexplosion, die die öffentliche Hand tragen soll. Auf mich macht das den Eindruck, dass der Begriff Schlamperei “vorsichtig” zu gebrauchen ist, angesichts dieser Entwicklung. Die ersten Kalkulationen sind günstig und der dicke Hammer kommt zum Schluss. Das hat Methode.”

FDP-Stadtrat Günter Breiling bezeichnete die “Vorplanung” gar als “Rotz”. CDU-Stadträtin Dr. Elke König sagt: “Wir finden die Umbaumaßnahmen alle gut. Es ist gut, in die Züge zu gehen. Aber jetzt werden wir erpresst, dass an uns vorbeigefahren wird und wir sind die bösen Buben und Mädels. Das ist ein unfaires, untragbares Verhalten der Bahn. Warum fragen wir nicht unsere Bürger? Wollen die wirklich die S-Bahn? In den nächsten zehn Jahren ist sowieso keine bessere Taktung gegeben.”

Die Unmutsäußerungen sind deutlich und wahrlich keine gute Werbung für die Bahn und ihre Projektbautochter. So wird die S-Bahn zum “ungeliebten” Projekt.

Gefechtslagen

Oberbürgermeister Heiner Bernhard sagt: “Wir bezahlen ein Zehntel der Umbaukosten. Ohne das bleibt alles beim alten. Die Bahn sagt, wir bauen um, gebt das Geld, sonst machen wir das nicht. Das ist die Gefechtslage.” Und: “Das sage ich mal für alle Empörer. Damit kann man sich nichts kaufen. Ich will, dass die S-Bahn kommt und wir dabei sind.”

Freie Wähler-Stadtrat Gerhard Mackert sagt: “Man kann nicht über die Planung schimpfen, sondern nur über die Vorplanung.”

GAL-Stadtrat Dr. Alexander Boguslawski sagt: “Sind 1,2 Millionen Euro ein angemessener Beitrag für einen behindertengerechten Bahnhof? Ja, abgesehen von diesen sicherlich unverständlichen Kostenplanungen. In der Summe sollten wir uns das leisten.”

Dem entgegnet Herr Labudda: “Was bringt uns die S-Bahn? Der entscheidende Vorteil ist der barrierefreie Umbau unseres Bahnhofs. In Stuttgart bekommen die Bürger nach Protesten Stuttgart21 plus, wir kriegen S-Bahn21 minus. Glauben Sie, Herr Boguslawski wirklich, dass es bei diesen Kosten bleibt? Ich nicht.”

Widerstand zwecklos?

Dann schaltet sich der erste Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner ein: “Was so ärgerlich ist, ist dass nach der Vorstudie 2006 auch 2008 ebenso nachkalkuliert wurde und wir auf mehrere Nachfragen immer bestätigt bekommen haben, dass die vier Bahnsteige drin sind und die Kosten bleiben. Die Presse schreibt das immer wieder falsch auf. Dagegen wehre ich mich. Die Kosten sind nicht durch die Bahnsteige gestiegen, sondern durch die mangelhafte Vorplanung.”

Und dann sagt Bürgermeister Fetzner das, was fast alle umtreibt: “Ich bin überzeugt, dass bei einer Ablehnung das Projekt scheitert. Da bringt uns der Mut zum Widerstand nichts, wenn man die Folgen bedenkt.”

Würde die Bahn tatsächlich auf den Ausbau an der Bergstraße verzichten? Auf diese Gefahr hatte der Verkehrsverbund Rhein-Neckar im Vorfeld der Sitzung hingewiesen und nochmal direkt in der Sitzung durch den Geschäftsführer Werner Schreiner: Bei einem Weinheimer Rückzug aus der teurer gewordenen Investitionen stehe auch die gesamte Bergstraßen-Strecke auf dem Spiel.

Man dürfe die Einführung der wohl wichtigsten Infrastruktur-Maßnahme der nächsten zehn Jahre nicht gefährden. Es gehe schließlich um die Zukunft des Standorts Weinheim und die Infrastruktur der Metropolregion Rhein-Neckar, betonten einige Stadträte.

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Die 2006 auf 3,5 Millionen Euro geschätzten Kosten waren bei einer jetzt vorgelegten Vorplanung für die Bergstraßenstrecke auf rund sieben Millionen Euro gestiegen. Für Weinheim bedeutet dies eine Erhöhung des Anteils von zunächst 740 000 Euro auf aktuell rund 1,24 Millionen Euro. Trotz Einsparungen, die vom Weinheimer Stadtplanungsamt selbst für die Bahn erarbeitet worden sind.

Ob diese “Einspar-Rechnungen” allerdings durchkommen, ist noch nicht sicher. Das bedarf von einer “Überprüfung”.

Der Gemeinderatsbeschluss enthält auf Vorschlag der Verwaltung daher die Klausel, dass jede weitere Zustimmung zur Planung davon abhängig gemacht wird, dass die Projektbeteiligten alles dafür tun, sämtliche möglichen Kosteneinsparungen im maximalen Umfang zu realisieren.

Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass der Gemeinderat auch weiteren Kostensteigerungen zustimmen wird. Was soll das Gremium denn tun, außer sich der Erpressung zu ergeben?


Anmerkung der Redaktion:
Wir berichten “live” aus dem Gemeinderat – sprich, wir protokollieren auf unserer Facebook-Seite die Beratungen mit.

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Zahl der Gemeinderäte und “unechte Teilortswahl”: “Alles bleibt, wie es ist”


Informationen zur unechten Teilortswahl gibt es bei der Landeszentrale für politische Bildung.

Guten Tag!

Weinheim, 20. Juli 2011. (red/live) Der Gemeinderat hat heute mehrheitlich beschlossen, dass die unechte Teilortswahl und die Zahl der Gemeinderäte von 32 unverändert bleibt.

Von Hardy Prothmann

Die unechte Teilortswahl ist ein Relikt aus den Gemeindereformen der 70-er Jahre. Damals wurden die vormals selbstständigen Orte Hohensachsen/Ritschweiter, Lützelsachsen, Oberflockenbach, Rippenweier und Sulzbach eingemeindet und sich nur Ortschaften der Stadt Weinheim.

Um den Gemeinden im “Übergangsprozess” eine starke Stellung zu geben, wurde die unechte Teilortswahl eingeführt. Nach 35 Jahren haben mittlerweile die meisten Gemeinden, die diese Regelung hatten, diese wieder abgeschafft. Nur noch 44 Prozent der Gemeinden mit unechter Teilortswahl halten daran fest.

Nach den Stellungnahmen der Fraktionen, die sich überwiegend für die Beibehaltung aussprachen, stellte OB Heiner Bernhard insgesamt drei Anträge.

Als erstes wurde die Abschaffung der unechten Teilortswahl zur Abstimmung gestellt – der OB und einige Gemeinderäte stimmten dafür, die Mehrheit dagegen.

Danach stellte der OB den Antrag der GAL zur Entscheidung, die Bevölkerung per Bürgerentscheid entscheiden zu lassen. Der OB stimmte mit zwölf weiteren Stadträten dafür, die Mehrheit dagegen.

Der dritte Antrag lautete: “Alles bleibt, wie es ist.” Der OB und zehn weitere Stadträte stimmten dagegen, drei enthielten sich, 25 Stadträte stimmten dafür.

Anmerkung: “Live”-Bericht direkt aus dem Gemeinderat.

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“Ordentliche” Abi-Feiern im Schlosspark


OB Bernhard im Gespräch mit Abiturienten - heute sagt er, was die Bedingungen sind, früher hat er sich selbst nicht "ganz so" daran gehalten. Bild: Stadt Weinheim

Weinheim, 19. Mai 2011 (red/fw) Feiern ja – aber nur, wenn die Ordnung eingehalten wird. Das ist der “Deal”, den OB Bernhard mit Abiturienten ausgehandelt hat. Ende Mai/Anfang Juli sind die mündlichen Prüfungen. Die Parties werden im Schlosspark gestattet, sofern hinterher aufgeräumt wird.

Information der Stadt Weinheim:

“Heiner Bernhard ließ keinen Zweifel daran: „Ihr sollt Euer Abi im Schlosspark feiern, das gehört doch dazu“, forderte der Weinheimer Oberbürgermeister jetzt Schülerinnen und Schüler auf, die er als Vertreter der Abiturjahrgänge der Weinheimer Gymnasien zu sich ins Rathaus eingeladen hatte.

Ein spätes „Outing“ des OB ließ die Jugendlichen dabei schmunzeln. „Zu meiner Zeit“, grinste Bernhard (Abi-Jahrgang 1976 am damaligen Gymnasium Weinheim, heute WHG), „mussten wir dazu über die Mauer klettern, und das haben wir auch gemacht“. Dass solche Klettertouren heute nicht mehr nötig sind, dazu steht Bernhard. „Wir öffnen den Park sehr gerne für die Bevölkerung.“ Er werde sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass dies so bleibt.

Deshalb appellierte der OB – wie stets in den letzten Jahren – an die Abiturienten: „Hinterlasst den Schlosspark nach Euren Feiern bitte so, dass die nächsten Jahrgänge hier auch wieder willkommen sind.“ Die Stadt werde ihren Beitrag dazu leisten, dass die traditionellen Treffs nach den mündlichen Prüfungen (am 30. und 31. Mai, dann nochmal am 6. Juni) fröhlich, friedlich und ohne unschöne Hinterlassenschaften im Schlosspark stattfinden können, ohne den Unmut der Bevölkerung zu erregen.

Mülltüten sollen zum Abholen bereit liegen, in jedem Jahrgang gibt es Verantwortliche, die wiederum einen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung haben, der – gegebenenfalls – rasch mit dem privaten Sicherheitsdienst oder auch der Polizei in Kontakt treten kann, wenn Hilfe nötig ist.

Die Schülerinnen und Schüler freuten sich über das Kooperationsangebot der Stadt und versprachen ihrerseits, den Kontakt zu halten. „Wir wollen ja selbst einen sauberen und dennoch offenen Schlosspark, auch noch nach unserem Abi“, erklärte eine von ihnen.”

Einen schönen Tag wünscht
Das weinheimblog

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Zugeparkte Straßen: „Wenn es hier mal brennt, sind wir machtlos.“


Weinheim/Rhein-Neckar, 16. April 2011. (red/pm) Der Weinheimer Oberbürgermeister Heiner Bernhard hat als Chef der Feuerwehr den Selbstversuch gemacht: Zwei Stunden lang kurvte er am Steuer des feuerroten Löschmobils durch die Stadt. Das Ergebnis: In vielen Straßen war kein Durchkommen, weil die “Gasse” durch parkende Autos zu eng war. Im Notfall kann das Menschenleben kosten. Das Problem haben Feuerwehren und Hilfskräfte überall – nicht nur in Weinheim.

Von Roland Kern

Der Mann am Steuer schwitzt. Er rangiert noch einmal, versucht, den Wagen ganz gerade an den Engpass zu steuern. Er kurbelt und schaltet, es muss schnell gehen. Noch einmal zurück, neuer Versuch. Dann gibt es er auf. Er kommt hier nicht durch. Aber dann fängt das Malheur erst an. Die Straße hat keine Wendemöglichkeit, langsam tastet sich das Feuerwehrauto wieder rückwärts aus der Straße heraus, um den Einsatzort von der anderen Seite anzusteuern.

Das war diesmal nur ein Probe-Einsatz und der Mann am Steuer des Feuerwehrautos war kein echter Feuerwehrmann sondern Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard, der selbst erfahren wollte, was seinen Feuerwehrleuten Kummer bereitet. Aber im Ernstfall gefährden zuparkte Straßen und damit versperrte Rettungswege sogar Menschenleben. „Solche Parkzustände“, erklärt Feuerwehrkommandant Reinhold Albrecht, „sind leider keine Ausnahme, sondern eher die Regel“.

Selbstversuch: Weinheims OB Bernhard ist verzweifelt - hier ist kein Durchkommen für Rettungsfahrzeuge. Foto: Stadt Weinheim

Zwei Stunden lang kurvte OB Bernhard am Steuer des feuerroten Löschmobils durch die Stadt. Es gab zahlreiche Engstellen,
durch die er sich langsam durchtasten musste – was im Ernstfall wichtige Sekunden ausmacht. Und es gab Stellen, da passte definitiv kein Feuerwehrauto durch. Die Feuerwehr wollte damit möglichst öffentlich auf das Dilemma aufmerksam machen. „Wer beim Parken nicht auf das Freihalten von Rettungswegen achtet“, sagt Stadtbrandmeister Albrecht, „der handelt verantwortungslos“.

In der Saarbrücker Straße, wo zwei Fahrzeuge direkt gegenüber parkten, gab es zum ersten Mal kein Durchkommen mehr. Mit Rangier- und Wendemanöver beträgt die Verzögerung gleich mal fünf Minuten. „Die können entscheidend sein“, weiß jetzt auch Heiner Bernhard selbst ganz genau.

Kurios dabei: Oft sind es die Anwohner selbst, die ihre Straßen blockieren und sich im Brandfall selbst am meisten schaden würden. „Ich kann das einfach nicht verstehen“, schüttelt Stadtkommandant Patrick Müller den Kopf, als der Kamerad OB an der Einfahrt in der Kurzen Straße scheitert – es gibt kein Durchkommen. „Wenn es hier mal brennt, sind wir machtlos.“

Anmerkung der Redaktion:
Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim.

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“Steg” wird am Sonntag frei gegeben


Am Sonntag, 27. März 2011, wird der "Steg" frei gegeben. Bild: Stadt Weinheim

Guten Tag!

Weinheim, 25. März 2011. Dem Brückenschlag steht nichts mehr im Wege. Bei einer Abschlussbegehung des neuen Windecksteges zwischen Fußgängerzone und der Schlossbergterrasse haben Vertreter des Tiefbauamtes und Architekt Constantin Görtz am Donnerstag grünes Licht gegeben: Der Steg, der Windeckplatz und die beiden Aufzüge können am Sonntag, den 27. März 2011, bei der Eröffnung des Pflänzeltages um 13:00 Uhr, frei gegeben werden. Heute (Samstag) wird noch die „Platte geputzt“, wie die Straßenbauer das nennen.

Ablaufprogramm vom Sonntag:

13:00 Uhr: Musikstück, Band “Combo Miss Dixon”
13.05 Uhr: Grußwort OB
13.15 Uhr: Grußwort Dr. Volker Diesbach
13.20 Uhr: Erklärungen von Uli Schilling

13.20 Uhr: Enthüllung der Skulptur durch OB, Inge Diesbach und Dr. Volker Diesbach

13.25 Uhr: Erklärungen von Bildhauer Martin Hintenlang
13.30 Uhr: “Verse” von Bas Gret und Vetter Philp

13.35 Uhr: Eröffnung des Windecksteges mit OB, EBM Dr. Fetzner und Constantin Görtz

13.35 Uhr: Umtrunk/Einladung der Bevölkerung/Begehung des Steges für die Bevölkerung mit Erläuterungen durch den Architekten.

Einen schönen Tag wünscht
Das weinheimblog